Das Wichtigste in Kürze
- Das Staatsexamen in der Tiermedizin heißt offiziell Tierärztliche Prüfung und umfasst laut TAppV 20 Prüfungsfächer.
- Es ist der dritte und letzte der drei Prüfungsabschnitte der tierärztlichen Ausbildung, nach Vorphysikum und Physikum.
- Erst nach bestandener Tierärztlicher Prüfung folgt die Approbation, also die eigentliche Erlaubnis, als Tierärztin oder Tierarzt zu arbeiten.
- Die Fächerbreite ist enorm, von Klinischer Propädeutik bis Berufs- und Standesrecht.
Ich bin selbst noch nicht so weit, aber bei uns in Gießen ist das Staatsexamen im klinischen Abschnitt ständig präsentes Thema. Stand Juli 2026 ordne ich hier ein, was laut TAppV dahintersteckt.
Was die Tierärztliche Prüfung ist
Die Tierärztliche Prüfung ist das, was umgangssprachlich als Staatsexamen bezeichnet wird: der dritte und letzte der drei Prüfungsabschnitte, die laut TAppV das tierärztliche Studium gliedern. Davor liegen der naturwissenschaftliche Abschnitt (Vorphysikum) am Ende des ersten Studienjahres und der anatomisch-physiologische Abschnitt (Physikum) am Ende des zweiten Studienjahres. Wer bis hierhin gekommen ist, hat also bereits zwei große Hürden hinter sich. Wie diese ineinandergreifen, steht im Artikel zum Ablauf des Tiermedizinstudiums.
Anders als Vorphysikum und Physikum, die sich auf einige wenige Fächer konzentrieren, deckt die Tierärztliche Prüfung laut TAppV das gesamte Spektrum der tierärztlichen Ausbildung ab.
Die 20 Prüfungsfächer
Insgesamt umfasst die Tierärztliche Prüfung laut TAppV 20 Prüfungsfächer. Grob lassen sie sich in mehrere thematische Blöcke einteilen:
Tierhaltung, Verhalten und Ernährung: Tierhaltung und Tierhygiene; Tierschutz und Ethologie; Tierernährung.
Klinische Fächer: Klinische Propädeutik; Reproduktionsmedizin; Innere Medizin; Chirurgie und Anästhesiologie; Radiologie; Geflügelkrankheiten.
Erreger, Seuchen und Arzneimittel: Virologie; Bakteriologie und Mykologie; Parasitologie; Tierseuchenbekämpfung und Infektionsepidemiologie; Pharmakologie und Toxikologie; Arznei- und Betäubungsmittelrecht.
Pathologie: Allgemeine Pathologie sowie Spezielle pathologische Anatomie und Histologie.
Lebensmittel und Verbraucherschutz: Lebensmittelkunde einschließlich Lebensmittelhygiene; Fleischhygiene; Milchkunde.
Recht: Gerichtliche Veterinärmedizin, Berufs- und Standesrecht.
Diese Breite ist kein Zufall – die Approbation berechtigt dich später dazu, in ganz unterschiedlichen Bereichen zu arbeiten, von der Kleintierpraxis über den Schlachthof bis zur Veterinärbehörde. Genau deshalb wird auch in Fächern wie Fleischhygiene oder Tierseuchenbekämpfung geprüft, selbst wenn du später nie in diese Richtung gehst. Ein großer Teil dieser Fächer baut auf den pathologischen Grundlagen und dem klinischen Abschnitt auf, die vorher durchlaufen werden.
Wie die Prüfung abläuft
Die Tierärztliche Prüfung ist keine einzelne Klausur, sondern zieht sich über einen längeren Zeitraum und besteht aus schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungsteilen, je nach Fach in unterschiedlicher Kombination. Das bedeutet in der Praxis: Du prüfst dich nicht an einem Tag durch alle 20 Fächer, sondern arbeitest dich über Wochen und Monate durch verschiedene Prüfungsblöcke. Wichtig zu wissen ist auch, dass ein Großteil der praktischen Pflichtausbildung, also die Pflichtpraktika, zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein muss, weil sie Teil der Zulassungsvoraussetzungen ist.
Approbation: was danach kommt
Erst nach bestandener Tierärztlicher Prüfung erhältst du die Approbation, die staatliche Erlaubnis, den Beruf der Tierärztin oder des Tierarztes eigenständig auszuüben. Ohne diesen letzten Schritt darfst du nicht als Tierärztin oder Tierarzt praktizieren, auch wenn du alle Prüfungen bestanden hast. Die Approbation ist also nicht nur eine Formalität, sondern der eigentliche Abschluss deiner Ausbildung.
Umgang mit dem Prüfungsdruck
Ganz ehrlich: 20 Prüfungsfächer klingen erstmal erschlagend – und das sind sie streckenweise auch. Was mir bei Kommilitoninnen und Kommilitonen, die schon näher dran sind, am meisten auffällt: Es hilft, sich früh Struktur zu geben und nicht erst kurz vorher mit dem Lernen anzufangen. Eine gute Strategie ist es, Fächer thematisch zu bündeln statt sie isoliert abzuarbeiten, denn viele Inhalte überschneiden sich ohnehin. Mehr dazu, wie sich Lernphasen im Studium sinnvoll organisieren lassen, findest du im Artikel zu Lernstrategien im Tiermedizinstudium.
Am Ende
Die Tierärztliche Prüfung ist die letzte und größte Hürde im Studium: fachlich breit, zeitlich langgezogen und fordernd. Sie ist aber auch der Punkt, an dem sich Jahre der Vorbereitung endlich auszahlen. Wer die Struktur kennt und sich rechtzeitig damit auseinandersetzt, geht deutlich entspannter hinein, als es die schiere Fächerzahl zunächst vermuten lässt.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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