Zum Inhalt springen
Studieninhalte

Klinischer Abschnitt im Tiermedizinstudium: Das erwartet dich

Porträt von Konstantin BergerVon Konstantin Berger3 Min. Lesezeit
Symbolbild Tierklinik – klinischer Abschnitt im Tiermedizinstudium

Das Wichtigste in Kürze

  • Der klinische Abschnitt beginnt an den meisten Standorten etwa ab dem 7. Semester, direkt im Anschluss an den anatomisch-physiologischen Abschnitt (Physikum).
  • Im Mittelpunkt stehen jetzt Klinische Propädeutik, Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesiologie sowie Reproduktionsmedizin.
  • Tierartkliniken und der fächerübergreifende Querschnittsunterricht bringen dich deutlich näher an echte Patientinnen und Patienten.
  • Der Studienalltag wird praktischer und unmittelbarer – und fordert dich anders als das reine Grundlagenlernen davor.

Ich bin selbst mittendrin, an der JLU Gießen, und schreibe hier auf, wie sich diese Phase für mich anfühlt und was laut TAppV dahintersteckt. Stand: Juli 2026.

Wann der klinische Abschnitt beginnt

Im Groben lässt sich das Studium in drei Prüfungsabschnitte einteilen: den naturwissenschaftlichen Abschnitt, den anatomisch-physiologischen Abschnitt (das Physikum) und schließlich die Tierärztliche Prüfung am Ende. Der klinische Abschnitt ist die Phase zwischen Physikum und Staatsexamen und beginnt an den meisten der fünf deutschen Standorte ungefähr ab dem siebten Semester. Genau zwischen diesen Prüfungsabschnitten liegt auch der Zeitpunkt, ab dem du laut TAppV das kurative Praktikum beginnen darfst, vorher geht das nicht. Wenn dich der komplette Ablauf des Studiums interessiert, findest du eine Übersicht über alle Phasen im Artikel zum Ablauf des Tiermedizinstudiums.

Diese Fächer und Bereiche gehören jetzt dazu

Der klinische Abschnitt ist kein einzelnes Fach, sondern ein ganzes Bündel an Bereichen, die jetzt zusammenkommen. Los geht es meist mit der Klinischen Propädeutik. Im Grunde ist das die Kunst, ein Tier überhaupt erstmal richtig und systematisch zu untersuchen, bevor du irgendeine Diagnose stellst. Dazu kommen Virologie, Bakteriologie und Parasitologie mit deutlich mehr Laborbezug als vorher.

Das Herzstück bilden dann die großen klinischen Fächer: Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesiologie sowie Reproduktionsmedizin. Parallel dazu läufst du durch die Tierartkliniken – Kleintier, Pferd, Wiederkäuer, je nach Standort auch Geflügel und Schwein – und lernst so die Besonderheiten der einzelnen Tierarten praktisch kennen, nicht nur aus dem Buch. Ergänzt wird das Ganze durch den sogenannten Querschnittsunterricht: fächerübergreifende Veranstaltungen, in denen mehrere Fachbereiche gemeinsam einen Fall besprechen, so wie es später im echten Praxisalltag auch läuft.

Wer sich noch an die Grundlagenfächer erinnert, also Anatomie, Pathologie und Co., merkt jetzt, wie sehr diese Fächer als Fundament gebraucht werden. Ohne solides Grundlagenwissen wird es im klinischen Abschnitt schnell eng.

Wie sich dein Alltag verändert

Der auffälligste Unterschied: Du sitzt nicht mehr nur im Hörsaal, sondern stehst am Behandlungstisch. Rotationen durch die verschiedenen Kliniken bedeuten Schichtdienste, manchmal auch Nachtdienste, Fallvorstellungen vor der Gruppe und die Erwartung, dass du Verantwortung übernimmst, natürlich immer unter Anleitung. Klausuren gibt es weiterhin, aber sie fühlen sich anders an: Es geht weniger um reines Auswendiglernen, mehr um Anwendung. Kann ich diesen Befund einordnen? Weiß ich, welcher nächste Schritt sinnvoll ist?

Für viele ist das genau der Moment, an dem sich zeigt, wofür sie eigentlich studieren. Manche entdecken hier ihre Leidenschaft für die Pferdemedizin, andere fürs Labor, wieder andere für die Nutztierpraxis. Gleichzeitig wird der Zeitdruck spürbarer: Klinikdienste, Prüfungsvorbereitung und Pflichtpraktika müssen jetzt unter einen Hut passen. Gute Lernstrategien helfen an dieser Stelle spürbar, ein paar Ansätze dazu findest du im Artikel zu Lernstrategien im Tiermedizinstudium.

Mein Alltag in Gießen

Bei uns in Gießen merkt man den Wechsel schon am ersten Tag in der Klinik: Kein Hörsaal mehr, sondern ein Stall oder eine Untersuchungsbox, und plötzlich steht ein echtes Tier vor dir, das nicht weiß, dass du eigentlich noch übst. Am Anfang war ich ziemlich unsicher, ob ich überhaupt weiß, was ich tue. Das legt sich mit der Zeit – der Respekt vor der Verantwortung bleibt aber, und das ist auch gut so. Was mich überrascht hat: Wie viel Teamarbeit dieser Abschnitt erfordert. Du arbeitest mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, mit Tierpflegepersonal und mit approbierten Tierärztinnen und Tierärzten zusammen. Einzelkämpfertum bringt dich hier nicht weit.

Fazit

Der klinische Abschnitt ist der Punkt im Studium, an dem sich Theorie und Praxis endlich wirklich verbinden. Er ist fordernd, zeitintensiv und manchmal auch anstrengend, gleichzeitig aber auch der Abschnitt, in dem viele zum ersten Mal richtig spüren, warum sie sich für dieses Studium entschieden haben. Danach wartet mit der Tierärztlichen Prüfung die letzte große Hürde vor der Approbation.

Porträt von Konstantin Berger
Über die Autorin/den Autor

Konstantin Berger

Tiermedizinstudent (JLU Gießen)

Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.

Alle Artikel von Konstantin →