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Studieninhalte

Biochemie und Physiologie: Funktion und molekulare Grundlage

Porträt von Konstantin BergerVon Konstantin Berger3 Min. Lesezeit
Symbolbild Moleküle – Biochemie und Physiologie im Tiermedizinstudium

Das Wichtigste in Kürze

  • Biochemie und Physiologie gehören laut TAppV beide zu den Prüfungsfächern des Physikums.
  • Physiologie erklärt, wie Organe und Systeme funktionieren, Biochemie liefert dazu die molekulare Ebene.
  • Beide Fächer gelten unter Studierenden als besonders anspruchsvoll, weil sie viel abstraktes Denken erfordern.
  • Wer den Praxisbezug herstellt, merkt sich die Inhalte deutlich nachhaltiger als beim reinen Auswendiglernen.

Biochemie und Physiologie gehören laut TAppV zum anatomisch-physiologischen Abschnitt und müssen bis zum Ende des zweiten Studienjahres absolviert sein. Stand: Juli 2026.

Zwei Fächer, eine Logik

Physiologie und Biochemie werden im Studienplan oft nacheinander oder parallel unterrichtet, und das hat einen guten Grund. Physiologie beschäftigt sich damit, wie Organe, Gewebe und Organsysteme funktionieren: Wie schlägt das Herz, wie funktioniert die Verdauung, wie reguliert der Körper seine Temperatur. Biochemie liefert dazu die molekulare Erklärungsebene, also welche Enzyme, Hormone und Stoffwechselwege eigentlich dahinterstecken, wenn ein Organ tut, was es tun soll.

Bei uns in Gießen habe ich schnell gemerkt, dass beide Fächer getrennt zu lernen wenig bringt. Physiologie ohne biochemisches Grundverständnis heißt Prozesse auswendig zu lernen, ohne sie wirklich zu verstehen. Und wer umgekehrt Biochemie ohne physiologischen Kontext büffelt, hat am Ende viele Reaktionsgleichungen im Kopf, aber keine Ahnung, wofür sie im Tierkörper eigentlich gut sind. Am meisten bringt es, beide Fächer gemeinsam zu denken.

Warum beide Fächer als besonders hart gelten

Unter Tiermedizinstudierenden haben Biochemie und Physiologie einen Ruf, und der ist nicht ganz unverdient. Beide Fächer verlangen viel abstraktes Denken, gerade zu Beginn, wenn noch keine klinischen Bezüge sichtbar sind. Stoffwechselwege, Signalkaskaden, Regelkreise: Solche Themen lassen sich schwer mal eben nebenbei lernen. Anders als in der Anatomie, wo du oft mit Bildern und Modellen arbeitest, ist hier vieles reine Kopfarbeit.

Hinzu kommt, dass sowohl Physiologie als auch Biochemie tierartübergreifend gedacht werden müssen. Der Stoffwechsel eines Wiederkäuers unterscheidet sich zum Beispiel deutlich von dem eines Fleischfressers, allein schon wegen der unterschiedlichen Verdauungssysteme. Verglichen mit einem Studiengang, der sich nur auf eine Spezies konzentriert, wächst der Lernstoff dadurch spürbar.

Den Praxisbezug herstellen

Was mir persönlich am meisten geholfen hat, war der bewusste Versuch, jede physiologische oder biochemische Regel mit einem konkreten Bild zu verbinden. Statt nur zu lernen, dass ein bestimmtes Hormon die Blutzuckerregulation steuert, habe ich mir überlegt: Was würde passieren, wenn dieses System bei einem Tier gestört ist? Solche Gedankenspiele fühlen sich anfangs nach Umweg an, sparen aber am Ende Zeit, weil sich der Stoff besser verankert.

Auch später in der Klinik begegnet dir dieses Wissen ständig wieder, etwa bei der Interpretation von Blutwerten, bei der Wirkung von Medikamenten oder beim Verständnis, warum bestimmte Krankheitsbilder überhaupt entstehen. Solide Grundlagen aus dem Physikum zahlen sich später bei Themen wie Pharmakologie und Toxikologie aus, weil vieles auf denselben Mechanismen aufbaut.

Lernstrategien, die wirklich helfen

Reines Auswendiglernen funktioniert bei Biochemie und Physiologie schlechter als bei vielen anderen Fächern, weil die Inhalte stark vernetzt sind. Besser funktioniert es, sich Zusammenhänge selbst herzuleiten oder aufzuzeichnen, etwa Regelkreise als Skizze oder Stoffwechselwege als Flussdiagramm. Lerngruppen sind hier ebenfalls Gold wert: Wenn du jemand anderem einen physiologischen Prozess erklären musst, merkst du sofort, wo deine eigenen Lücken liegen.

Ein weiterer Punkt, der bei uns in Gießen immer wieder betont wird: Prüfungsvorbereitung in diesen Fächern lohnt sich nicht erst kurz vor dem Termin. Weil so viele Inhalte aufeinander aufbauen, verlierst du bei kurzfristigem Pauken schnell den Überblick, welcher Mechanismus wo hineingehört. Baust du stattdessen über das Semester hinweg regelmäßig kleine Wiederholungseinheiten ein, ist der Prüfungsdruck am Ende deutlich geringer, auch wenn sich das anfangs nach zusätzlichem Aufwand anfühlt.

Wenn du grundsätzlich nach effektiveren Methoden suchst, um dich durch stoffreiche Fächer zu arbeiten, lohnt sich ein Blick auf verschiedene Lernstrategien für die Tiermedizin, gerade für Fächer wie dieses, bei denen stures Pauken selten reicht.

Was das für dich bedeutet

Biochemie und Physiologie sind zwei Seiten derselben Medaille: Funktion und molekulare Grundlage gehören einfach zusammen. Beide Fächer verlangen dir im Ablauf des Tiermedizinstudiums einiges ab, legen aber auch den Grundstein für dein Verständnis von Krankheitsprozessen im gesamten weiteren Studium.

Porträt von Konstantin Berger
Über die Autorin/den Autor

Konstantin Berger

Tiermedizinstudent (JLU Gießen)

Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.

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