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Gehalt

Pferdetierarzt: Gehalt und Verdienstchancen

Porträt von Theresa VogtVon Theresa Vogt3 Min. Lesezeit
Symbolbild Hufeisen – Gehalt als Pferdetierarzt

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut TVD-Gehaltsreport 2026 lag das Durchschnittsgehalt in der kurativen Pferdepraxis bei rund 4.290 Euro brutto im Monat – der niedrigste Wert unter den ausgewerteten Tierart-Schwerpunkten.
  • Der Durchschnitt bildet vor allem angestellte Tierärztinnen und Tierärzte über alle Erfahrungsstufen ab; Spezialisierung und eigene Praxis können die Spanne nach oben deutlich verschieben.
  • Rufbereitschaft, hoher Fahrtaufwand und die enge Bindung an eine oft zahlungskräftige, aber auch preissensible Klientel prägen die wirtschaftliche Realität der Pferdepraxis.
  • Eine Fachtierarzt-Weiterbildung im Bereich Pferde wirkt sich laut Gehaltsdaten deutlich positiv auf das Einkommen aus.

Die genannten Werte sind Durchschnitte aus einer bundesweiten Gehaltsumfrage (Stand: Juli 2026); einzelne Praxen und Spezialisierungen können erheblich abweichen.

Was die Zahlen zeigen

Der TVD-Gehaltsreport 2026 weist für die kurative Pferdepraxis ein Durchschnittsgehalt von rund 4.290 Euro brutto im Monat aus. Das ist niedriger als in Kleintierpraxis (4.600 Euro), Schweinepraxis (5.000 Euro) oder Geflügelpraxis (5.120 Euro), und auch etwas unter der Rinderpraxis (4.410 Euro).

Tierart-Schwerpunkt Durchschnittsgehalt (ca., brutto/Monat)
Pferd 4.290 Euro
Rind 4.410 Euro
Kleintier 4.600 Euro
Schwein 5.000 Euro

Das mag überraschen, weil Pferdemedizin im öffentlichen Bild oft mit einer zahlungskräftigen Klientel und hochpreisigen Sportpferden assoziiert wird. Der Durchschnittswert relativiert dieses Bild: Ein großer Teil der Pferdepraxis besteht aus Routineleistungen wie Impfungen, Wurmkuren oder Zahnkontrollen bei Freizeitpferden, deren Halterinnen und Halter preissensibler kalkulieren als der Sportpferdebereich.

Warum die Pferdepraxis trotzdem attraktiv sein kann

Der Durchschnitt bildet vor allem angestellte Tierärztinnen und Tierärzte über alle Erfahrungsstufen ab. Die tatsächliche Verdienstspanne ist breiter, als die reine Durchschnittszahl vermuten lässt:

  • Spezialisierung: Wer sich auf Lahmheitsdiagnostik, Reproduktionsmedizin oder Chirurgie spezialisiert, kann höhere GOT-Sätze abrechnen und sich in einem kleineren, spezialisierteren Markt positionieren.
  • Eigene Praxis oder Klinik: Größere Pferdekliniken mit eigener Bildgebung und Operationskapazität erschließen zusätzliche Erlösquellen, die in der reinen Ambulanzpraxis fehlen.
  • Sportpferdebereich: Turnierbetreuung und die Arbeit mit hochpreisigen Zuchtpferden können überdurchschnittliche Honorare bringen, sind aber ein kleinerer, wettbewerbsintensiver Teilmarkt.
  • Fachtierarzt-Weiterbildung: Wie stark sich eine Spezialisierung insgesamt auf das Gehalt auswirkt, zeigt der Ratgeber zum Fachtierarzt-Gehalt.

Was gegen den Gehaltsvorteil spricht

In der Pferdepraxis verbringt man einen großen Teil der Arbeitszeit im Auto zwischen Ställen und Reitanlagen, oft verbunden mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und Rufbereitschaft für Notfälle wie Koliken. Diese Rahmenbedingungen erklären mit, warum sich das Gehalt nicht automatisch aus der vermeintlichen Zahlungsfähigkeit der Klientel ergibt. Einen Einblick in den Berufsalltag jenseits der Zahlen gibt der Ratgeber zur Arbeit in der Pferdepraxis sowie das Porträt des Fachtierarztes für Pferde.

Angestellt oder selbstständig in der Pferdepraxis

Wie in anderen Bereichen der Tiermedizin gilt auch in der Pferdepraxis: Angestellte Tierärztinnen und Tierärzte haben ein planbares Gehalt, tragen aber kein unternehmerisches Risiko und profitieren nicht direkt vom wirtschaftlichen Erfolg der Praxis. Wer eine eigene Pferdepraxis oder -klinik aufbaut, investiert in der Regel deutlich mehr Kapital als in der Kleintiermedizin, etwa für mobile Ausrüstung, spezialisierte Bildgebung oder eine eigene Klinik mit Boxen für stationäre Patienten. Diese höheren Einstiegskosten relativieren den Verdienstvorteil einer eigenen Praxis gegenüber dem Angestelltenverhältnis zumindest in den ersten Jahren nach der Gründung. Eine allgemeine Einordnung dazu liefert der Ratgeber zum Gehalt mit eigener Praxis. Viele Pferdetierärztinnen und -tierärzte sammeln deshalb zunächst mehrere Jahre Erfahrung im Angestelltenverhältnis oder in einer bestehenden Praxis, bevor sie über eine eigene mobile Praxis oder Klinik nachdenken.

Insgesamt liegt die Pferdepraxis beim Durchschnittsgehalt unter anderen tierärztlichen Fachrichtungen, ein Befund, der dem verbreiteten Klischee einer besonders lukrativen Nische widerspricht. Wer diesen Weg einschlägt, sollte das Einkommen realistisch einordnen und gezielt auf Spezialisierung oder eine eigene Praxisstruktur setzen, wenn finanzielle Aspekte eine wichtige Rolle spielen. Die Leidenschaft für Pferde bleibt trotzdem die wichtigste Voraussetzung für diesen Weg.

Porträt von Theresa Vogt
Über die Autorin/den Autor

Theresa Vogt

Diplom-Biologin

Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.

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