Das Wichtigste in Kürze
- Pferdepraktiker sind viel unterwegs, zwischen Reitställen, Gestüten und Privatpferdehaltungen einer ganzen Region.
- Der Beruf verlangt Fachwissen in einem sehr speziellen Bereich, von der Lahmheitsdiagnostik bis zur Zahnbehandlung.
- Notfälle wie eine Kolik können jederzeit auftreten und erfordern schnelles, sicheres Handeln.
- Viele Pferdepraktiker arbeiten mobil, manche zusätzlich mit Anbindung an eine Pferdeklinik für größere Eingriffe.
Ein Nachbarhof mit vielen Pferden
Gleich neben unserem Betrieb liegt ein Reitstall mit gut zwei Dutzend Pferden, und ich sehe dort regelmäßig, wie anders die Arbeit eines Pferdepraktikers im Vergleich zur Rinderpraxis abläuft. Zwar geht es auch hier viel um Beweglichkeit im Auto und flexible Termine, aber das Tier, um das sich alles dreht, tickt fachlich völlig anders als eine Kuh oder ein Schwein.
Ein Terminplan zwischen Reithalle und Weide
Ein großer Teil der Arbeit in der Pferdepraxis besteht aus geplanten Untersuchungen: Ankaufsuntersuchungen vor dem Pferdekauf, regelmäßige Zahnkontrollen, Impfungen oder die Behandlung von Lahmheiten, die oft eine längere Diagnostik erfordern – von der Beugeprobe bis zur Röntgenuntersuchung direkt vor Ort. Diese Termine sind meist gut planbar und machen einen soliden Teil des Praxisalltags aus.
Daneben gibt es aber auch hier die Anrufe, die alles über den Haufen werfen. Eine Kolik – eine der gefürchtetsten Notfallsituationen bei Pferden – kann jederzeit auftreten und verlangt schnelles Handeln, denn hier zählt oft jede Stunde. Auch Verletzungen bei Stürzen im Gelände oder in der Box sind keine Seltenheit. In der Pferdepraxis muss man deshalb ständig mit unvorhersehbaren Einsätzen rechnen, die den Tagesplan durcheinanderbringen.
Fachwissen für ein spezielles Tier
Was mir an den Pferdepraktikern auffällt, mit denen der Reitstall nebenan zusammenarbeitet: Sie bringen ein sehr spezialisiertes Wissen mit, das über die allgemeine Nutztiermedizin hinausgeht. Pferde reagieren anders auf Medikamente, ihr Verdauungssystem ist empfindlich, und gerade im Leistungssport spielen auch Aspekte wie Dopingregularien und Turniertauglichkeit eine Rolle. Wer sich auf diesen Bereich spezialisieren möchte, kann eine entsprechende Fachtierarzt-Weiterbildung anschließen und sich so noch tiefer in Themen wie Orthopädie oder Reproduktionsmedizin einarbeiten.
Ein weiterer Unterschied zur Nutztierpraxis: In der Pferdemedizin spielt die Anbindung an eine Pferdeklinik häufig eine größere Rolle. Für komplexere Operationen, etwa eine Kolik-OP, reicht die mobile Ausrüstung im Auto nicht aus, dann wird das Pferd in eine Klinik mit entsprechender Ausstattung transportiert. Manche Pferdepraktiker arbeiten eng mit einer solchen Klinik zusammen oder sind selbst dort angestellt.
Menschen mit hohem Anspruch
Nicht nur die Tiere, auch die Besitzerinnen und Besitzer bringen im Pferdebereich oft einen hohen Anspruch mit. Gerade im Turniersport steht viel auf dem Spiel, wirtschaftlich wie emotional. Das verlangt von den Tierärztinnen und Tierärzten neben fachlichem Können auch Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Menschen, die an ihren Pferden hängen wie an einem Familienmitglied.
Der Einstieg in die Pferdemedizin
Wer sich schon im Studium für Pferde interessiert, kann über Praktika in Pferdekliniken oder bei mobilen Pferdepraktikern früh Erfahrung sammeln – ein Vorteil, denn die Konkurrenz um gute Stellen in diesem Bereich ist spürbar. Nach dem Studium beginnt der Berufsweg meist als angestellte Assistenz in einer bestehenden Praxis oder Klinik, bevor eine eigene Niederlassung oder eine Fachtierarzt-Weiterbildung folgt. Aus Gesprächen mit dem Reitstallbetreiber weiß ich, dass gerade junge Pferdepraktiker anfangs viel Zeit investieren, um sich in der Reitszene der Region einen Namen zu machen: Empfehlungen unter Pferdehalterinnen und Pferdehaltern zählen in diesem Bereich besonders viel.
Was bleibt
In der Pferdepraxis bewegt man sich in einem Berufsfeld mit hoher fachlicher Spezialisierung, engem Kundenkontakt und einer Portion Unvorhersehbarkeit, wenn wieder einmal ein Notfall dazwischenkommt. Wie sich diese Arbeit finanziell auszahlt, zeigt der Artikel zum Gehalt als Pferdetierarzt; wer sich vertiefen will, findet Orientierung beim Fachtierarzt für Pferde. Und weil Koliken keine Bürozeiten kennen, lohnt sich auch ein Blick auf den Artikel zum Notdienst.
Marco Lindner
Landwirt
Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.
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