Das Wichtigste in Kürze
- Amtstierärztinnen und Amtstierärzte arbeiten im öffentlichen Dienst, meist im Veterinäramt eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt.
- Zu den Aufgaben gehören Tierschutzkontrollen, Lebensmittelüberwachung, Seuchenbekämpfung und die Genehmigung von Tierhaltungen.
- Der Weg dorthin führt über eine zusätzliche Qualifikation nach dem Studium, die je nach Bundesland unterschiedlich organisiert ist.
- Der Beruf bietet geregelte Arbeitszeiten und Planbarkeit, ganz anders als der Praxisalltag mit Notdienst.
Der Kontrollbesuch auf dem Hof
Als Milchviehbetrieb bekommen wir regelmäßig Besuch vom Veterinäramt, sei es die reguläre Kontrolle der Tierhaltung, eine Nachschau nach der Meldung eines Tierarztes oder eine Überprüfung im Rahmen der Seuchenprävention. Diese Kontakte haben mir über die Jahre einen guten Einblick gegeben, was Amtstierärztinnen und Amtstierärzte eigentlich tun. Es ist ein Berufsbild, das sich von der klassischen Praxis deutlich unterscheidet.
Aufgaben zwischen Kontrolle und Prävention
Amtstierärztinnen und Amtstierärzte sind zuständig für die Überwachung des Tierschutzes und der Lebensmittelsicherheit in ihrem Zuständigkeitsbereich. Das umfasst regelmäßige Kontrollen von Tierhaltungen wie unserer, die Überwachung von Schlachtbetrieben und Lebensmittelunternehmen sowie die Genehmigung bestimmter Tierhaltungsformen. Auch die Bekämpfung von Tierseuchen gehört zu den Kernaufgaben: Wenn irgendwo eine meldepflichtige Erkrankung auftritt, sind die Veterinärämter die zentrale Anlaufstelle, um Ausbreitung zu verhindern und Maßnahmen anzuordnen.
Anders als in der Praxis behandelt ein Amtstierarzt selbst also in der Regel keine kranken Tiere. Stattdessen sorgt er oder sie dafür, dass die gesetzlichen Vorgaben zum Tierschutz und zur Lebensmittelsicherheit eingehalten werden. Das ist eine Aufgabe, die mehr mit Verwaltung, Recht und Dokumentation zu tun hat als mit dem Behandlungstisch.
Der Weg ins Amt
Nach dem Studium und der Approbation ist es mit dem Berufseinstieg als Amtstierarzt oder Amtstierärztin nicht sofort getan. In der Regel ist eine zusätzliche Qualifikation notwendig, die je nach Bundesland unterschiedlich geregelt ist, häufig als Kombination aus einem vorbereitenden Lehrgang und einer weiteren Staatsprüfung. Wer diesen Weg gehen möchte, sollte sich frühzeitig über die genauen Anforderungen im jeweiligen Bundesland informieren, denn die Verfahren unterscheiden sich.
Geregelte Zeiten, andere Verantwortung
Was mir bei den Amtstierärztinnen und Amtstierärzten auffällt, die bei uns Kontrollen durchführen: Ihr Arbeitsalltag ist deutlich planbarer als der einer niedergelassenen Kollegin oder eines niedergelassenen Kollegen. Feste Bürozeiten, kein Notdienst am Wochenende, dafür eine hohe Verantwortung in Sachen Dokumentation und rechtlicher Sorgfalt, denn eine amtliche Feststellung kann für einen Betrieb weitreichende Folgen haben. Diese Mischung aus Planbarkeit und Verantwortungsbewusstsein macht den Beruf für manche Tierärztinnen und Tierärzte attraktiver als der Praxisalltag mit seinem unregelmäßigen Rhythmus.
Nicht nur Kontrolle, auch Beratung
Aus meiner Erfahrung sind die Kontrollbesuche selten reine Bürokratie-Termine. Oft bekommen wir auch fachliche Hinweise, etwa zur Stallbelüftung oder zur Umsetzung neuer Vorgaben, die uns als Betrieb tatsächlich weiterhelfen. Der Amtstierarzt oder die Amtstierärztin ist damit auch eine Art Ansprechpartner zwischen Verwaltung und landwirtschaftlicher Praxis.
Warum sich manche bewusst dafür entscheiden
Aus dem, was mir Amtstierärztinnen und Amtstierärzte bei ihren Besuchen erzählt haben, ist die Entscheidung für diesen Berufsweg oft eine sehr bewusste. Manche haben zuvor Jahre in einer Praxis gearbeitet und wollten dem Notdienst und der körperlichen Belastung entkommen, ohne den fachlichen Bezug zur Tiermedizin ganz aufzugeben. Andere interessieren sich von Anfang an für den Verwaltungs- und Rechtsbereich und sehen im öffentlichen Dienst genau das richtige Umfeld für ihre Stärken. Beide Wege führen zum gleichen Ziel, zeigen aber, wie unterschiedlich die Motivation für diesen Berufsweg sein kann.
Was das bedeutet
Der Weg zum Amtstierarzt führt über eine zusätzliche Qualifikation nach dem Studium. Am Ende steht ein Berufsweg mit geregelten Arbeitszeiten und einer besonderen Verantwortung für Tierschutz und Lebensmittelsicherheit. Wer sich dafür interessiert, findet mehr im Porträt zum Amtsveterinär und im Artikel zur Lebensmittelüberwachung. Wie sich das Gehalt im öffentlichen Dienst gestaltet, zeigt der Artikel zum Amtstierarzt-Gehalt.
Marco Lindner
Landwirt
Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.
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