Zum Inhalt springen
Tierarztberuf & Karrierewege

Notdienst: Pflicht, Organisation, Vergütung

Porträt von Marco LindnerVon Marco Lindner3 Min. Lesezeit
Symbolbild Notdienst – Auto bei Nacht mit Taschenlampe

Das Wichtigste in Kürze

  • Niedergelassene Tierärztinnen und Tierärzte sind in der Regel zum Notdienst verpflichtet, oft organisiert über Notdienstringe mehrerer Praxen einer Region.
  • Der Notdienst umfasst Abende, Nächte, Wochenenden und Feiertage, unabhängig vom regulären Praxisbetrieb.
  • Die Vergütung für Notdiensteinsätze ist meist höher angesetzt als für reguläre Termine, aber die Belastung bleibt hoch.
  • Viele Regionen organisieren den Notdienst inzwischen gemeinsam, um die Last auf mehr Schultern zu verteilen.

Wenn das Telefon um fünf klingelt

Bei uns auf dem Hof gehört der Notdienst zum Alltag mit Milchvieh einfach dazu: Eine festliegende Kuh oder eine schwere Geburt warten nicht bis zur nächsten regulären Sprechstunde. Ich habe über die Jahre viele solcher Anrufe miterlebt – vom ersten Griff zum Telefon bis zum Auto, das kurz darauf auf dem Hof steht. Was mir dabei immer wieder klar wird: Notdienst ist für Tierärztinnen und Tierärzte keine Ausnahme, sondern ein fester, oft unterschätzter Teil des Berufs.

Eine Pflicht mit klaren Regeln

Niedergelassene Tierärztinnen und Tierärzte sind in vielen Regionen zum Notdienst verpflichtet. Die genaue Ausgestaltung liegt bei den Tierärztekammern und wird oft über sogenannte Notdienstringe organisiert. Dabei teilen sich mehrere Praxen einer Region den Notdienst zu festgelegten Zeiten, sodass nicht jede einzelne Praxis rund um die Uhr erreichbar sein muss. Für die einzelnen Tierärztinnen und Tierärzte bedeutet das trotzdem: mehrmals im Monat ist man für einen bestimmten Zeitraum die zentrale Anlaufstelle für alle Notfälle in der Region, egal ob nachts, am Wochenende oder an Feiertagen.

Was einen Notdiensteinsatz ausmacht

Ein Notdienst kann alles Mögliche bedeuten: eine akute Kolik beim Pferd, eine schwere Geburt bei der Kuh, ein Hund, der etwas Falsches gefressen hat, oder eine Katze mit Atemnot. Anders als in der regulären Sprechstunde ist man im Notdienst meist allein unterwegs, ohne das gewohnte Praxisteam im Rücken, und muss vor Ort schnell entscheiden, was zu tun ist. Das verlangt neben fachlichem Können vor allem Nervenstärke und die Fähigkeit, auch unter Zeitdruck und mitten in der Nacht einen kühlen Kopf zu bewahren.

Vergütung für die Extra-Belastung

Für Notdiensteinsätze wird üblicherweise ein Zuschlag berechnet. Die Gebührenordnung für Tierärzte sieht für Leistungen außerhalb der regulären Sprechzeiten höhere Sätze vor als für Termine tagsüber. Das soll die zusätzliche Belastung zumindest finanziell abbilden. Trotzdem sagen viele Tierärztinnen und Tierärzte, dass der eigentliche Preis des Notdienstes nicht im Stundenlohn liegt, sondern im unterbrochenen Schlaf, in der ständigen Rufbereitschaft und in der psychischen Belastung, wenn ein Fall schwierig verläuft.

Warum sich viele organisieren

Gerade in der Nutztierpraxis, wo Notdienste besonders häufig und belastend sind, haben sich in vielen Regionen mehrere Praxen zusammengeschlossen, um den Notdienst gemeinsam zu stemmen. Das verteilt die Last auf mehr Schultern und macht den Beruf für den Nachwuchs attraktiver. Das wird angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels in der Branche zunehmend wichtig.

Was Notdienst am Ende ausmacht

Was mir über die Jahre am meisten in Erinnerung geblieben ist: Es ist nicht nur die Fachkenntnis, die im Notdienst zählt, sondern auch die Fähigkeit, ein aufgeregtes Gegenüber zu beruhigen – sei es ein Landwirt mitten in der Nacht oder eine verzweifelte Hundebesitzerin am Telefon. Wer im Notdienst arbeitet, muss oft binnen weniger Minuten am Telefon einschätzen, wie dringend ein Fall wirklich ist, und dabei ruhig und klar kommunizieren. Diese Kombination aus fachlicher und menschlicher Kompetenz unterscheidet einen guten Notdienst von einem, der nur pflichtgemäß abgeleistet wird.

Fazit

Notdienst ist ein fester und anspruchsvoller Bestandteil des Tierarztberufs, der viel Ausdauer verlangt, aber auch entsprechend vergütet wird. Wer sich für den Beruf entscheidet, sollte diesen Teil von Anfang an mit einplanen. Wie sich das mit Familie vereinbaren lässt, zeigt der Artikel Tierarztberuf und Familie: Teilzeitmodelle; wie der Notdienst in der Nutztierpraxis konkret aussieht, beschreibt der Artikel Nutztierpraktiker: Alltag zwischen Stall und Straße.

Porträt von Marco Lindner
Über die Autorin/den Autor

Marco Lindner

Landwirt

Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.

Alle Artikel von Marco →