Das Wichtigste in Kürze
- Notfall- und Intensivmedizinerinnen und -mediziner übernehmen die Erstversorgung und Stabilisierung kritisch kranker oder verunfallter Tiere.
- Der Arbeitsort ist meist eine spezialisierte Notfallklinik mit entsprechender technischer Ausstattung und durchgängiger Besetzung.
- Der Weg führt über Studium, Staatsexamen und eine vertiefte Spezialisierung im Bereich Notfall- und Intensivmedizin, häufig international als ECC bezeichnet.
- Zum Verdienst in dieser fordernden Spezialisierung gibt der Ratgeber zum Fachtierarzt-Gehalt eine Einordnung.
Wer hier arbeitet
Ich habe einmal miterlebt, wie der Hund einer befreundeten Familie nach einem Autounfall in eine Notfallklinik gebracht wurde, weit weg von der gewohnten Hausarztpraxis. Dort ging alles sehr schnell: Ein Team stand bereit, legte binnen Minuten einen Zugang, überwachte Kreislauf und Atmung und stabilisierte das Tier, noch bevor überhaupt klar war, welche inneren Verletzungen genau vorlagen. Diese Geschwindigkeit und Routine unter Druck hat mich beeindruckt und mir gezeigt, wie eigenständig diese Fachrichtung von der klassischen Sprechstunde ist.
Aufgaben im Überblick
Die Notfall- und Intensivmedizin dreht sich um die kritischsten Momente in der Tiermedizin:
- Erstversorgung: die schnelle Einschätzung und Stabilisierung akut lebensbedrohlicher Zustände
- Intensivüberwachung: die kontinuierliche Kontrolle von Kreislauf, Atmung und weiteren Vitalwerten nach Unfällen oder schweren Erkrankungen
- Schockbehandlung: die gezielte Therapie bei Kreislaufversagen, etwa nach starkem Blutverlust
- Koordination: die schnelle Entscheidung, ob und wann ein Fall in die Chirurgie oder eine andere Fachrichtung übergeben werden muss
- Nacht- und Wochenendbetrieb: die durchgängige Versorgung außerhalb regulärer Praxisöffnungszeiten
Anders als in der regulären Sprechstunde bleibt in der Notfallmedizin oft keine Zeit für eine ausführliche Anamnese. Entscheidungen müssen häufig binnen Minuten getroffen werden, auf Basis weniger, aber entscheidender Informationen.
Arbeitsorte
Notfall- und Intensivmedizinerinnen und -mediziner arbeiten überwiegend in spezialisierten Notfallkliniken, die auf durchgängige Erreichbarkeit ausgelegt sind, oft rund um die Uhr besetzt, anders als die klassische Praxis mit festen Sprechzeiten. Solche Kliniken übernehmen häufig Überweisungen von umliegenden Praxen, wenn ein Fall die eigene Ausstattung oder die eigenen Öffnungszeiten übersteigt.
Der Weg zur Notfall- und Intensivmedizin
Nach Studium und Staatsexamen sammeln viele zunächst praktische Erfahrung in der Klinik, bevor sie sich gezielt in Richtung Notfall- und Intensivmedizin spezialisieren, im englischsprachigen Raum häufig als Emergency and Critical Care, kurz ECC, bezeichnet. Diese Spezialisierung verlangt neben medizinischem Wissen vor allem Erfahrung im schnellen, strukturierten Handeln unter Druck. Mehr zum allgemeinen Ablauf tierärztlicher Spezialisierungen steht im Ratgeber Fachtierarzt werden.
Was den Beruf besonders macht
Was mir bei diesem Berufsfeld auffällt: Es verlangt eine andere Art von Nervenstärke als die klassische Praxis. Wer in der Notfallmedizin arbeitet, sieht überdurchschnittlich oft dramatische und belastende Fälle, manchmal mit gutem, manchmal mit schlechtem Ausgang, und muss trotzdem beim nächsten Notfall wieder mit voller Konzentration bereitstehen. Diese Wechsel zwischen extremer Anspannung und der Notwendigkeit, danach wieder ruhig zu funktionieren, stelle ich mir als eine der größten psychischen Herausforderungen des Fachgebiets vor.
Gleichzeitig ist es genau diese Unmittelbarkeit, die viele an diesem Beruf reizt: Man sieht direkt, ob die eigene schnelle Entscheidung geholfen hat. Diese klare Rückmeldung gibt es in kaum einer anderen Fachrichtung der Tiermedizin in dieser Form.
Kurz gesagt
Notfall- und Intensivmedizinerinnen und -mediziner arbeiten dort, wo Tiermedizin am unmittelbarsten über Leben und Tod entscheidet. Wer belastbar ist, gerne unter Zeitdruck strukturiert handelt und sich für die kritischsten Fälle interessiert, findet in dieser Fachrichtung ein forderndes, aber sehr sinnstiftendes Berufsfeld.
Marco Lindner
Landwirt
Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.
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