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Tierarztberuf & Karrierewege

Tierarztberuf und Familie: Teilzeitmodelle

Porträt von Marco LindnerVon Marco Lindner3 Min. Lesezeit
Symbolbild Teilzeit und Familie – Kalender mit Praxis-Symbol

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Tierarztberuf mit seinem Notdienst und den unregelmäßigen Arbeitszeiten ist mit kleinen Kindern oft eine echte organisatorische Herausforderung.
  • Viele Praxen bieten inzwischen Teilzeitmodelle an, um qualifizierte Fachkräfte zu halten.
  • Angestelltenverhältnisse lassen sich meist leichter reduzieren als eine eigene Praxis mit voller unternehmerischer Verantwortung.
  • Der hohe Frauenanteil im Beruf hat den Druck auf familienfreundlichere Modelle in den letzten Jahren spürbar erhöht.

Eine Beobachtung von zwei Kolleginnen

Bei der Praxis, mit der wir zusammenarbeiten, sind mittlerweile zwei Tierärztinnen fest angestellt, die beide in Teilzeit arbeiten, seit sie Kinder bekommen haben. Ich habe über die Jahre mitbekommen, wie sich ihre Arbeitszeiten immer wieder neu einpendeln, je nachdem, wie alt die Kinder gerade sind und welche Betreuung möglich ist. Das zeigt gut, wie viel Organisationstalent es braucht, um diesen Beruf mit Familie zu vereinbaren.

Der Notdienst als größte Hürde

Was die Vereinbarkeit von Tierarztberuf und Familie besonders erschwert, ist vor allem der Notdienst. Wer nachts oder am Wochenende zu einem Notfall gerufen wird, braucht in dieser Zeit eine verlässliche Kinderbetreuung. Für Alleinerziehende oder Familien ohne unterstützendes Netzwerk in der Nähe ist das eine echte Belastung. Viele Praxen haben deshalb begonnen, den Notdienst anders zu organisieren: durch Notdienstringe mehrerer Praxen, durch feste Ausnahmen für Eltern kleiner Kinder oder durch die Anbindung an eine Tierklinik mit eigenem Notdienstteam.

Teilzeit als gängiges Modell

In der Kleintierpraxis, in der die beiden Kolleginnen arbeiten, sind reduzierte Stundenmodelle inzwischen fast Normalität. Eine der beiden arbeitet drei feste Tage die Woche, die andere reduzierte Vormittage mit gelegentlichen Nachmittagsterminen. Für die Praxisinhaberin bedeutet das zwar mehr Koordinationsaufwand bei der Dienstplanung, aber auch die Sicherheit, erfahrene und gut eingearbeitete Tierärztinnen langfristig zu halten. Angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels in der Branche ist das ein echter Standortvorteil.

Eigene Praxis versus Anstellung

Wer eine eigene Praxis führt, hat es in Sachen Teilzeit tendenziell schwerer als eine Angestellte oder ein Angestellter. Die unternehmerische Verantwortung, von der Buchhaltung bis zur Personalführung, lässt sich nicht einfach auf wenige Stunden reduzieren. Manche Praxisinhaberinnen lösen das, indem sie sich eine Partnerschaft oder eine feste Vertretung ins Boot holen, mit der sie sich Aufgaben und Verantwortung teilen. Andere entscheiden sich bewusst dafür, den Schritt in die Selbstständigkeit erst zu gehen, wenn die Familienphase mit kleinen Kindern durchlaufen ist.

Ein Beruf im Wandel

Da der Frauenanteil im Tierarztberuf seit Jahren sehr hoch ist, ist das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Branche kein Randthema mehr. Es beeinflusst zunehmend, wie Praxen und Kliniken ihre Arbeitszeitmodelle gestalten. Wer heute eine Praxis führt und gute Fachkräfte halten will, kommt an flexiblen Modellen kaum noch vorbei.

Kolleginnen als Rückhalt

Was mir bei den beiden Tierärztinnen in der Nachbarpraxis auffällt: Sie helfen sich untereinander stark aus, wenn kurzfristig ein Kind krank wird oder die Kinderbetreuung ausfällt. Diese informelle Unterstützung im Team ist oft mindestens so wichtig wie die offiziellen Arbeitszeitregelungen einer Praxis. Praxen, die ein gutes Miteinander unter den Angestellten fördern, tun sich deshalb oft leichter damit, Eltern langfristig zu halten. Das zahlt sich angesichts des Fachkräftemangels in der Branche am Ende auch wirtschaftlich aus.

Der Tierarztberuf lässt sich mit Familie vereinbaren, dafür braucht es aber flexible Arbeitgeber, kluge Notdienstlösungen und oft auch eine Portion persönlicher Organisationskunst. Wer sich diese Rahmenbedingungen bei der Praxiswahl bewusst ansieht, erspart sich später manchen Konflikt zwischen Beruf und Familienalltag und findet am Ende oft einen Arbeitgeber, bei dem beides zusammenpasst. Wer sich für ein Angestelltenverhältnis mit reduzierten Stunden interessiert, findet mehr im Artikel zum Gehalt als angestellter Tierarzt. Wie sich der Notdienst konkret organisieren lässt, zeigt der Artikel Notdienst: Pflicht, Organisation, Vergütung; wer sich für eine Klinikanstellung mit festen Schichten interessiert, findet mehr unter Karriere in der Tierklinik.

Porträt von Marco Lindner
Über die Autorin/den Autor

Marco Lindner

Landwirt

Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.

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