Das Wichtigste in Kürze
- Der Frauenanteil unter Tiermedizinstudierenden in Deutschland liegt seit Jahren konstant sehr hoch, in der Größenordnung von rund 85 bis 90 Prozent.
- Unter den Studienanfängerinnen und -anfängern lag der Frauenanteil in einzelnen Jahrgängen sogar teils über 90 Prozent.
- Genaue Werte schwanken leicht von Jahrgang zu Jahrgang – die Grundtendenz ist seit Langem stabil.
- Trotzdem sind Führungspositionen und Praxisinhaberschaft im Berufsfeld nach wie vor stärker männlich geprägt.
Wenn du dich im Hörsaal umschaust, fällt es sofort auf: Tiermedizin ist bei uns ein Studiengang, in dem Frauen deutlich in der Mehrheit sind. Die genauen Werte schwanken leicht von Jahrgang zu Jahrgang, Stand ist Juli 2026.
Die Zahlen: eine sehr klare Mehrheit
Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts und Auswertungen wie der Kampagne „Tiermedizin ist weiblich“ der Bundestierärztekammer liegt der Frauenanteil unter Tiermedizinstudierenden in Deutschland seit Jahren konstant sehr hoch, in der Größenordnung von rund 85 bis 90 Prozent. Das heißt: In einem typischen Jahrgang sind gerade einmal ein bis anderthalb von zehn Studierenden männlich. Unter den Studienanfängerinnen und -anfängern lag der Frauenanteil in einzelnen Jahrgängen sogar noch höher, teils über 90 Prozent. Damit gehört Tiermedizin zu den Studiengängen mit dem größten geschlechtlichen Ungleichgewicht in Deutschland überhaupt, nur eben in die andere Richtung als bei vielen naturwissenschaftlich-technischen Fächern.
Ich kann das aus dem eigenen Hörsaal bestätigen: In meinem Semester in Gießen sind Frauen ganz klar in der Mehrheit, und das ist an den anderen vier deutschen Standorten nicht anders.
Wie es dazu gekommen ist
Ein einzelner Grund erklärt diese Entwicklung nicht, aber ein paar Faktoren werden in Fachkreisen immer wieder genannt. Zum einen hat sich das Berufsbild über Jahrzehnte gewandelt: Tiermedizin war lange ein Fach, das stark von landwirtschaftlicher, männlich geprägter Nutztierpraxis dominiert wurde. Mit der wachsenden Bedeutung der Kleintiermedizin und einem gesellschaftlichen Wandel im Berufsbild hat sich das Bild deutlich verschoben. Zum anderen wird die Arbeit mit Tieren traditionell auch als ein „Care“-Beruf wahrgenommen, also als ein Beruf, in dem Fürsorge und Betreuung im Zentrum stehen. Ein solches Berufsbild wird gesellschaftlich häufig eher mit Frauen assoziiert. Wichtig ist: Das sind Erklärungsansätze, keine bewiesenen Ursachen. Sich für Tierarztin oder Tierarzt werden zu entscheiden, hat ganz individuelle Gründe, und die genannten Faktoren sind bestenfalls ein Teil eines größeren gesellschaftlichen Bildes.
Ein Ungleichgewicht mit zwei Seiten
Was auffällt, wenn man über den reinen Studienbetrieb hinausschaut: Der hohe Frauenanteil im Studium spiegelt sich nicht eins zu eins im gesamten Berufsfeld wider. Insbesondere in Führungspositionen und bei der Inhaberschaft eigener Praxen ist das Bild traditionell nach wie vor stärker von Männern geprägt gewesen. Belastbare, aktuelle Zahlen dazu variieren je nach Quelle und Erhebungsjahr, deshalb will ich hier keine Prozentangaben erfinden, die ich nicht sauber belegen kann. Fest steht aber: Der hohe Frauenanteil unter den Studierenden bedeutet nicht automatisch, dass sich dieses Verhältnis eins zu eins in alle Bereiche des Berufslebens fortsetzt. Das ist ein Thema, das in der Standesvertretung und in der Forschung zum Berufsstand seit einiger Zeit diskutiert wird.
Was das für dich bedeutet
Für deine eigene Studienentscheidung sollte der Frauenanteil vermutlich keine zentrale Rolle spielen – wichtiger ist, ob dich der Beruf und das Studium selbst reizen. Trotzdem lohnt sich der Blick auf diese Zahlen, weil sie ein Stück weit erklären, wie sich der Berufsstand in den kommenden Jahrzehnten verändern könnte, etwa bei Arbeitszeitmodellen, Praxisgründungen oder der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wenn du wissenswertes zu angrenzenden Themen suchst, lohnt sich auch ein Blick in den Vergleich Tiermedizin vs. Humanmedizin, wo ähnliche strukturelle Fragen eine Rolle spielen.
Fazit
Tiermedizin ist in Deutschland eindeutig ein weiblich geprägter Studiengang, mit einem Frauenanteil, der seit Jahren stabil bei rund 85 bis 90 Prozent liegt. Die Gründe dafür sind vielschichtig und lassen sich nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren. Gleichzeitig zeigt der Blick auf Führungspositionen und Praxisinhaberschaft, dass ein hoher Frauenanteil im Studium nicht automatisch bedeutet, dass sich das Verhältnis im gesamten Berufsleben genauso abbildet. Das ist ein Thema, das den Berufsstand sicher noch länger begleiten wird.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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