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Tierarztberuf & Karrierewege

Tierarzt werden: Der komplette Weg in den Beruf

Porträt von Marco LindnerVon Marco Lindner3 Min. Lesezeit
Symbolbild Tierkopf – Tierarzt werden, der Weg in den Beruf

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Weg zum Tierarztberuf beginnt mit dem Studium der Tiermedizin – in Deutschland an einem von fünf Standorten oder alternativ an einer Universität im europäischen Ausland.
  • Nach Studium, Staatsexamen und Approbation stehen mehrere Wege offen: Anstellung in einer Praxis, eigene Niederlassung, öffentlicher Dienst oder Industrie.
  • Wer sich spezialisieren will, hängt eine mehrjährige Fachtierarzt-Weiterbildung an.
  • Der Alltag danach ist alles andere als ein Ponyhof – Notdienst, Bürokratie und körperliche Arbeit gehören dazu.

Der Blick von draußen

Auf meinem Hof sehe ich seit Jahren regelmäßig Tierärztinnen und Tierärzte, bei der Kuh, die morgens um fünf festliegt, genauso wie bei der planmäßigen Bestandsuntersuchung. Was mir dabei immer wieder auffällt: Bis jemand so sicher und routiniert zwischen Stall und Praxisauto unterwegs ist, liegt ein langer, anspruchsvoller Weg dahinter. Diesen Weg will ich hier einmal von vorne aufrollen, nicht aus der Innenperspektive der Medizin, sondern aus der Sicht von jemandem, der das Ergebnis dieser Ausbildung tagtäglich im Einsatz erlebt.

Schritt 1: Das Tiermedizinstudium

Der erste und größte Schritt ist das Studium der Tiermedizin selbst. In Deutschland geht das nur an fünf Standorten – Berlin, Gießen, Hannover, Leipzig und München –, und die Studienplätze sind entsprechend hart umkämpft. Wer den Studienplatz nicht direkt über die Abiturnote bekommt, hat über Wartezeit oder das Auswahlverfahren der Hochschulen weitere Chancen; auch eine abgeschlossene Ausbildung als Tiermedizinische Fachangestellte oder Tiermedizinischer Fachangestellter wird bei manchen Verfahren positiv angerechnet. Alternativ gehen viele angehende Tierärztinnen und Tierärzte für das Studium ins europäische Ausland, etwa nach Ungarn, Polen oder ins Baltikum.

Das Studium selbst dauert rund elf bis zwölf Semester und endet mit dem Staatsexamen. Danach folgt die Approbation – die staatliche Zulassung, ohne die niemand tierärztlich tätig werden darf.

Schritt 2: Der Einstieg in den Beruf

Mit der Approbation in der Tasche stehen mehrere Wege offen. Die meisten jungen Tierärztinnen und Tierärzte, die ich kenne, starten zunächst als Angestellte in einer bestehenden Praxis: sei es in der Kleintiermedizin, bei einer Gemischtpraxis auf dem Land oder in einer Großtierpraxis, wie sie bei uns in der Region regelmäßig auf den Höfen unterwegs sind. Dort sammeln sie die ersten Jahre Praxiserfahrung, bevor manche später den Schritt in die eigene Niederlassung wagen oder eine bestehende Praxis übernehmen.

Andere entscheiden sich für einen ganz anderen Weg: den öffentlichen Dienst als Amtstierärztin oder Amtstierarzt, etwa im Veterinäramt oder bei der Lebensmittelüberwachung, oder eine Stelle in der Industrie, zum Beispiel bei einem Pharma- oder Futtermittelunternehmen. Wieder andere bleiben in der Forschung und Wissenschaft an einer Universität.

Schritt 3: Spezialisieren oder Allrounder bleiben

Wer sich fachlich vertiefen möchte, kann nach dem Studium eine Fachtierarzt-Weiterbildung anschließen, etwa für Pferde, Kleintiere, Chirurgie oder eine der vielen anderen Fachrichtungen. Das dauert je nach Fachgebiet mehrere Jahre zusätzlich und wird von den Tierärztekammern geregelt. Fachtierärztinnen und Fachtierärzte für ein bestimmtes Gebiet übernehmen dann meist die komplexeren Fälle in ihrem Fachbereich, während viele niedergelassene Praxen auf dem Land bewusst breit aufgestellt bleiben, weil dort ein Allrounder gebraucht wird, der von der Kuh bis zur Katze alles abdeckt.

Was der Beruf wirklich bedeutet

Was man in Ausbildungsbroschüren selten liest: Der Tierarztberuf ist körperlich und zeitlich fordernd. Notdienst gehört für viele niedergelassene Tierärztinnen und Tierärzte zum Alltag dazu, auch nachts und am Wochenende, wenn bei uns im Stall etwas nicht wartet. Dazu kommt eine ganze Menge Dokumentation und Bürokratie, von Medikamentenbüchern bis zu behördlichen Meldepflichten. Wer draußen bei Wind und Wetter auf dem Hof unterwegs ist, braucht außerdem eine gewisse körperliche Robustheit. Das soll niemanden abschrecken – aber wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte ihn mit offenen Augen gehen.

Fazit

Vom Studienplatz bis zur ersten eigenen Sprechstunde ist es ein langer Weg, der viel Ausdauer verlangt. Wer ihn geht, landet am Ende in einem Beruf mit vielen Facetten – von der Kleintierpraxis in der Stadt bis zur Großtierpraxis auf dem Land, vom Behördenschreibtisch bis zur eigenen Klinik. Welche Richtung am Ende die richtige ist, entscheidet sich meist erst während der praktischen Jahre nach dem Studium.

Porträt von Marco Lindner
Über die Autorin/den Autor

Marco Lindner

Landwirt

Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.

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