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Tierarztberuf & Karrierewege

Ehrenamt in der Tiermedizin: Helfen, wo es keine Praxis gibt

Porträt von Marco LindnerVon Marco Lindner3 Min. Lesezeit
Symbolbild Tierarztkoffer auf Feldweg – Ehrenamt in der Tiermedizin

Das Wichtigste in Kürze

  • Manche Tierärztinnen und Tierärzte engagieren sich ehrenamtlich, etwa bei Kastrationsprojekten oder Einsätzen in strukturschwachen Regionen und im Ausland.
  • Träger solcher Projekte sind häufig gemeinnützige Organisationen und Vereine, die auf ehrenamtliche fachliche Mitarbeit angewiesen sind.
  • Für viele ist das Ehrenamt eine bewusste Ergänzung zum beruflichen Alltag, keine Vollzeitkarriere.
  • Wer sich für den Berufsweg allgemein interessiert, findet Grundlegendes im Ratgeber Tierarzt werden.

Eine andere Art von Einsatz

Ein Tierarzt aus unserer Region, den ich über die Jahre gut kennengelernt habe, verschwindet einmal im Jahr für zwei Wochen aus der Praxis und hilft in dieser Zeit bei einem Kastrationsprojekt für streunende Hunde in einem osteuropäischen Land mit. Wenn er zurückkommt, erzählt er von Bedingungen, die mit unserer gut ausgestatteten Praxis wenig zu tun haben: improvisierte Behandlungsplätze, Hitze und Kälte, wenig medizinisches Material. Für mich war das ein Anstoß, mir diese Seite des Berufs genauer anzusehen.

Wo ehrenamtliche Tiermedizin stattfindet

Ehrenamtliches Engagement in der Tiermedizin zeigt sich in ganz unterschiedlichen Formen. Dazu gehören Kastrationsprojekte gegen unkontrollierte Vermehrung von Streunertieren, tierärztliche Versorgung in strukturschwachen Regionen ohne ausreichende Praxisdichte, sowie Einsätze im Ausland, oft organisiert über gemeinnützige Vereine und Tierschutzorganisationen. Manche Einsätze dauern nur wenige Tage, andere mehrere Wochen am Stück, je nach Projekt und Verfügbarkeit der Beteiligten.

Wer solche Einsätze organisiert

Getragen werden solche Projekte meist von Tierschutzvereinen, gemeinnützigen Organisationen oder kirchlichen und humanitären Trägern, die auf tierärztliche Fachkräfte angewiesen sind, um ihre Programme überhaupt durchführen zu können. Die tierärztliche Arbeit ist dabei oft nur ein Teil eines größeren Einsatzes, der auch Aufklärung von Tierhalterinnen und Tierhaltern vor Ort sowie den Aufbau lokaler Strukturen umfassen kann.

Warum sich Tierärztinnen und Tierärzte dafür entscheiden

Aus den Gesprächen, die ich über die Jahre geführt habe, wird ein Motiv besonders oft genannt: das Gefühl, mit den eigenen Fähigkeiten dort zu helfen, wo sonst niemand hilft. Anders als im regulären Praxisalltag, wo wirtschaftliche Zwänge und Terminpläne den Rahmen setzen, steht bei solchen Einsätzen die reine Notwendigkeit im Vordergrund. Für viele ist das eine Art Ausgleich zum Praxisalltag, für andere eine bewusste Erweiterung des eigenen Berufsverständnisses.

Grenzen des Ehrenamts

Ehrenamtliche Einsätze ersetzen keine reguläre Anstellung und finanzieren in der Regel nicht den Lebensunterhalt. Wer sich dafür entscheidet, tut das meist neben einer bestehenden Praxisanstellung, mit Urlaubstagen oder in Absprache mit dem Arbeitgeber. Auch die Bedingungen vor Ort unterscheiden sich deutlich von deutschen Standards, was sowohl medizinische Ausstattung als auch Sicherheit betrifft. Wer ernsthaft über einen Einsatz nachdenkt, sollte sich vorher genau über die jeweilige Organisation und die konkreten Rahmenbedingungen informieren.

Was davon im Berufsalltag bleibt

Wenn der Tierarzt aus unserer Region von seinen Einsätzen zurückkommt, merke ich oft eine veränderte Sicht auf den eigenen Berufsalltag. Probleme, die im deutschen Praxisbetrieb groß wirken, etwa Terminverzug oder ein kompliziertes Abrechnungssystem, relativieren sich, wenn man kurz zuvor mit einfachsten Mitteln unter schwierigen Bedingungen gearbeitet hat. Gleichzeitig bringt so ein Einsatz auch neue fachliche Erfahrung mit, weil ungewöhnliche Fälle und improvisierte Lösungen Routine schaffen, die im gut ausgestatteten deutschen Praxisalltag selten gefragt sind. Für viele ist das ein Grund, solche Einsätze über Jahre hinweg immer wieder zu wiederholen, trotz Urlaubstagen, die dafür draufgehen, und trotz der Anstrengung, die so ein Einsatz bedeutet.

Fazit

Ehrenamtliches Engagement zeigt eine Seite des Tierarztberufs, die jenseits von Gehalt und Karriereplanung liegt: den unmittelbaren Willen zu helfen, wo sonst kaum jemand hilft. Für mich als Landwirt ist das eine der Facetten dieses Berufs, die ich besonders respektiere, auch wenn sie im Berufsalltag meist im Hintergrund bleibt.

Porträt von Marco Lindner
Über die Autorin/den Autor

Marco Lindner

Landwirt

Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.

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