Das Wichtigste in Kürze
- Im ersten Berufsjahr lag das mittlere Bruttogehalt angestellter Tierärztinnen und Tierärzte laut TVD-Gehaltsreport 2026 bei rund 3.700 Euro im Monat. Das ist ein deutlicher Sprung gegenüber rund 2.500 Euro im Jahr 2022.
- Der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) empfiehlt seit November 2024 Gehaltsuntergrenzen, die je nach Tätigkeitsgruppe zwischen 3.600 und 4.500 Euro brutto im Monat starten.
- Ältere Empfehlungen wie die der Bundestierärztekammer (BTK) aus dem Jahr 2018 sind inzwischen überholt und taugen nicht mehr als Richtwert für eine aktuelle Gehaltsverhandlung.
- Praxisform, Bundesland und Verhandlungsgeschick beeinflussen den Einstieg stärker als jede pauschale Zahl.
Die folgenden Werte sind Orientierungswerte aus Umfragen und Verbandsempfehlungen, Stand Juli 2026 – kein Tarifvertrag deckt private Tierarztpraxen flächendeckend ab.
Was der Berufseinstieg heute tatsächlich bringt
Anders als in vielen anderen Berufen mit Hochschulabschluss gibt es für den Berufseinstieg in der Tiermedizin keinen einheitlichen Tarif. Die aussagekräftigste aktuelle Quelle ist der TVD-Gehaltsreport 2026, für den mehr als 1.500 Tierärztinnen und Tierärzte befragt wurden. Im ersten Berufsjahr liegt das mittlere Bruttogehalt bei rund 3.700 Euro im Monat bei einer 40-Stunden-Woche. Das ist ein spürbarer Anstieg gegenüber den rund 2.500 Euro, die 2022 noch üblich waren. Ein Grund dafür dürfte die GOT-Novelle 2022 sein, durch die Praxen wieder mehr Spielraum bei den Gehältern gewonnen haben. Details dazu findest du im Ratgeber zur GOT und dem Praxisumsatz.
Der Gesamtmedian über alle Berufserfahrungsstufen liegt laut demselben Report bei 4.650 Euro. Der Abstand zeigt, wie stark sich Berufserfahrung über die Jahre auszahlt.
Gehaltsuntergrenzen als Orientierung
Weil es keinen Flächentarif gibt, veröffentlichen Branchenverbände regelmäßig Empfehlungen für Mindestgehälter. Die aktuellste und praxisrelevanteste stammt vom bpt, dessen Delegiertenversammlung am 14. November 2024 neue Untergrenzen beschlossen hat:
| Tätigkeitsgruppe | Empfohlenes Einstiegsgehalt (brutto/Monat) |
|---|---|
| Tätigkeitsgruppe I (Grundgehalt) | ab 3.600 Euro |
| Tätigkeitsgruppe II (+10 %) | entsprechend höher |
| Tätigkeitsgruppe III (+25 %) | ab 4.500 Euro |
Wichtig: Der bpt selbst weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um Untergrenzen handelt und nicht um Durchschnitts- oder Wunschgehälter. Sie sollen verhindern, dass Berufseinsteigerinnen und -einsteiger unter ein wirtschaftlich vertretbares Niveau gedrückt werden. Die tatsächliche Verhandlung findet oberhalb dieser Marke statt.
Ältere Empfehlungen kursieren ebenfalls noch im Netz, allen voran die der Bundestierärztekammer aus dem Jahr 2018 (mindestens 3.130 Euro zu Beginn, nach der Probezeit angelehnt an TVöD E13, Stufe 1). Diese Zahl ist an eine inzwischen überholte Tarifperiode gekoppelt und sollte nicht mehr unreflektiert als aktueller Richtwert zitiert werden.
Was den Einstieg zusätzlich beeinflusst
- Praxisform: Kleintierpraxis, Großtierpraxis, Pferdepraxis und Tierklinik zahlen nach unterschiedlicher Logik. Ein Überblick dazu steht im Ratgeber zum Gehalt als angestellter Tierarzt.
- Bundesland: Regionale Unterschiede können mehrere hundert Euro im Monat ausmachen, wie der Bundesland-Vergleich zeigt.
- Zusatzqualifikationen: Schon eine Promotion wirkt sich laut TVD-Gehaltsreport 2026 im Durchschnitt positiv aus, wobei sich der Effekt nicht sauber von zusätzlicher Berufserfahrung trennen lässt.
- Verhandlungsgeschick: Wer die eigenen Zahlen kennt und selbstbewusst auftritt, verhandelt spürbar bessere Konditionen. Argumente und Tipps dazu findest du im Ratgeber zur Gehaltsverhandlung.
Wie du mit den unterschiedlichen Zahlen umgehen solltest
Am Ende zählt kein einzelner Durchschnittswert, sondern der Abgleich mehrerer Quellen: die bpt-Untergrenze als unteres Limit, der Gehaltsreport als realistischer Marktwert und die eigene Situation aus Praxisform, Region und Zusatzqualifikation. Setzt du dich vor dem ersten Vorstellungsgespräch mit diesen drei Bezugspunkten auseinander, verhandelst du sicherer als mit nur einer Zahl im Kopf. Auch der Austausch mit anderen frisch approbierten Kolleginnen und Kollegen im eigenen Netzwerk, etwa aus dem Studium, kann helfen, ein Gefühl für das lokale Marktniveau zu bekommen. Regionale Unterschiede spiegeln sich in bundesweiten Durchschnittswerten schließlich nur begrenzt wider.
Was das für dich bedeutet
Der Berufseinstieg als Tierärztin oder Tierarzt hat sich in den letzten Jahren finanziell spürbar verbessert, bleibt aber ohne Flächentarif ein Verhandlungsthema. Die bpt-Untergrenzen von 3.600 bis 4.500 Euro brutto sind ein sinnvoller unterer Anhaltspunkt, der TVD-Gehaltsreport mit rund 3.700 Euro im ersten Jahr zeigt die tatsächlich gezahlte Bandbreite. Kennst du beide Quellen, bevor du in die Verhandlung gehst, weißt du auch: Nach oben ist durchaus Luft.
Theresa Vogt
Diplom-Biologin
Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.
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