Das Wichtigste in Kürze
- Weil es für angestellte Tierärztinnen und Tierärzte in privaten Praxen keinen Flächentarif gibt, entscheidet die individuelle Verhandlung stärker über dein Gehalt als in tariflich organisierten Berufen.
- Die bpt-Gehaltsuntergrenzen (Stand November 2024) markieren eine Untergrenze, keine Zielgröße. Verhandlungsspielraum liegt in aller Regel darüber.
- Aktuelle Marktdaten wie der TVD-Gehaltsreport 2026 helfen dir, deine Gehaltsvorstellung realistisch an Praxisform, Region und Erfahrung auszurichten.
- Neben dem Grundgehalt lohnt sich der Blick auf Zusatzleistungen wie Fortbildungsbudget, Notdienstvergütung oder Beteiligung an Praxisergebnissen.
Die genannten Vergleichswerte (Stand Juli 2026) stammen aus Verbandsempfehlungen und Gehaltsumfragen und dienen als Orientierung für die eigene Verhandlung.
Warum die Verhandlung in der Tiermedizin so wichtig ist
In vielen anderen akademischen Berufen bestimmt ein Tarifvertrag die Gehaltsstufen weitgehend automatisch. In der privaten Tierarztpraxis fehlt diese Leitplanke: Jedes Gehalt wird individuell zwischen Praxisinhaberin oder Praxisinhaber und angestellter Tierärztin oder angestelltem Tierarzt verhandelt. Wer gut vorbereitet in die Verhandlung geht, kann deshalb spürbar mehr erreichen als jemand, der das erstbeste Angebot annimmt. Die strukturellen Hintergründe dieser Situation erklärt der Ratgeber zum Gehalt als angestellter Tierarzt.
Welche Zahlen du kennen solltest
Bevor du verhandelst, solltest du drei Arten von Referenzwerten parat haben:
- Gehaltsuntergrenzen: Der bpt hat im November 2024 aktualisierte Untergrenzen beschlossen, gestaffelt nach Tätigkeitsgruppe und beginnend bei rund 3.600 Euro brutto im Monat. Diese Werte markieren ausdrücklich eine Untergrenze, nicht das, was verhandelbar ist. Details dazu im Ratgeber zum Assistenztierarzt-Gehalt.
- Marktdurchschnitt: Der TVD-Gehaltsreport 2026 zeigt, was Tierärztinnen und Tierärzte je nach Berufserfahrung, Praxisform und Region tatsächlich verdienen, ein realistischerer Zielkorridor als die reine Untergrenze.
- Regionale und fachliche Einordnung: Gehälter unterscheiden sich spürbar nach Bundesland und Tierart-Schwerpunkt. Ein Abgleich mit dem Bundesland-Vergleich und dem jeweils passenden Praxisformat-Ratgeber hilft, die eigene Position realistisch einzuschätzen.
Argumente, die in der Verhandlung wirklich ziehen
- Konkrete Qualifikation statt allgemeiner Wünsche: Zusatzqualifikationen wie eine begonnene oder abgeschlossene Fachtierarzt-Weiterbildung wirken sich laut Gehaltsdaten deutlich positiv aus. Nenne sie konkret, nicht als vage Absicht.
- Marktvergleich statt Bauchgefühl: Belastbare Zahlen aus Gehaltsreport oder Verbandsempfehlung wirken überzeugender als eine pauschale Wunschzahl.
- Wirtschaftlicher Kontext der Praxis: Seit der GOT-Novelle 2022 haben viele Praxen mehr finanziellen Spielraum als zuvor. Das lässt sich sachlich einbringen, ohne die Praxisinhaberin oder den Praxisinhaber zu bedrängen. Hintergründe dazu im Ratgeber zu GOT und Praxisumsatz.
- Gesamtpaket statt Grundgehalt allein: Notdienstvergütung, Fortbildungsbudget, Zusatzurlaub oder eine Beteiligung am Praxiserfolg können das Gesamtpaket spürbar verbessern, auch wenn beim Grundgehalt wenig Spielraum besteht.
Wann du besonders gute Karten hast
Deine Verhandlungsposition ist stärker, wenn in deiner Region ein spürbarer Tierärztemangel besteht, wenn du eine gesuchte Spezialisierung mitbringst oder wenn dir bereits ein konkretes Alternativangebot vorliegt. In diesen Situationen lohnt es sich, das eigene Gehalt aktiv neu zu verhandeln, statt nur beim Stellenwechsel über Geld zu sprechen.
Der richtige Zeitpunkt für die Verhandlung
Nicht nur das Vorstellungsgespräch eignet sich für eine Gehaltsverhandlung. Auch das Ende der Probezeit, ein jährliches Mitarbeitergespräch oder der Abschluss einer Fachtierarzt-Weiterbildung bieten natürliche Anlässe, das eigene Gehalt neu zu verhandeln, gerade weil es in der privaten Praxis keine automatische, tariflich festgelegte Erhöhung gibt wie im öffentlichen Dienst. Für eine Erhöhung im laufenden Arbeitsverhältnis lohnt sich die Vorbereitung konkreter Argumente, etwa gestiegene Verantwortung, zusätzliche Qualifikationen oder ein verändertes Marktumfeld, statt allein auf die Initiative der Praxisinhaberin oder des Praxisinhabers zu warten.
Was am Ende zählt
Weil es in der privaten Tierarztpraxis keinen Flächentarif gibt, ist die Gehaltsverhandlung ein zentraler Hebel für dein tatsächliches Einkommen. Die bpt-Untergrenzen, aktuelle Marktdaten und die eigene Qualifikation zu kennen macht die Verhandlung selbstbewusster, und dabei sollte nicht nur das Grundgehalt, sondern das gesamte Vergütungspaket im Blick bleiben.
Theresa Vogt
Diplom-Biologin
Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.
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