Das Wichtigste in Kürze
- Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) legt fest, wie tierärztliche Leistungen in Deutschland abgerechnet werden dürfen: als Spanne vom einfachen bis zum vierfachen Satz, nicht als Festpreis.
- Die letzte umfassende Novelle trat am 22. November 2022 in Kraft und erhöhte die Gebühren im Schnitt um rund 20 Prozent, bei einzelnen Basisleistungen teils deutlich stärker.
- Der GOT-Umsatz einer Praxis ist nicht gleich Einkommen. Personal-, Miet- und Sachkosten fressen einen erheblichen Teil davon auf.
- Für angestellte Tierärztinnen und Tierärzte ist die GOT indirekt relevant, weil sie den finanziellen Spielraum der Praxis für Gehälter mitbestimmt.
Die konkrete Gebührenhöhe im Einzelfall regelt die GOT in ihrer jeweils gültigen Fassung (Stand: Juli 2026).
Was die GOT eigentlich regelt
Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) ist eine Rechtsverordnung, die für alle Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland verbindlich vorgibt, in welchem Rahmen sie ihre Leistungen abrechnen dürfen. Anders als bei vielen Dienstleistungen ist der Preis für eine tierärztliche Leistung nicht frei verhandelbar, sondern bewegt sich innerhalb eines gesetzlich definierten Gebührenrahmens. Herausgeberin dieses Rahmens ist letztlich der Verordnungsgeber, fachlich eng begleitet von der Bundestierärztekammer (BTK).
Die Satz-Systematik: vom einfachen bis zum vierfachen Satz
Kernstück der GOT ist die Satz-Systematik: Für jede Leistung ist ein Grundbetrag festgelegt, der je nach Aufwand mit einem Faktor multipliziert werden darf:
| Satz | Wann er gilt |
|---|---|
| Einfacher Satz | Routineleistungen zu regulären Zeiten – der Mindestbetrag |
| Zweifacher Satz | Bei erhöhtem Aufwand, etwa unruhigen oder schwierigen Patienten |
| Dreifacher Satz | Bei besonders aufwendigen Untersuchungsmethoden oder Spezialausrüstung |
| Vierfacher Satz | Ausschließlich im Notdienst, ergänzt um eine gesonderte Notdienstgebühr |
Ausschlaggebend für die Wahl des Satzes sind laut GOT der Schwierigkeitsgrad, der Zeitaufwand, die Tageszeit und die örtlichen Verhältnisse der jeweiligen Leistung. Die Praxis hat also innerhalb dieses Rahmens einen gewissen Spielraum, muss die Wahl aber sachlich begründen können.
Quelle: Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT), amtlicher Gesetzestext.
Die Novelle 2022: mehr Spielraum für Praxen
Am 22. November 2022 trat die erste umfassende Neufassung der GOT seit 1999 in Kraft. Sie erhöhte die Gebühren im Durchschnitt um rund 20 Prozent, bei manchen Basisleistungen verdoppelten oder verdreifachten sich die Sätze sogar. Grundlage war eine Studie im Auftrag des zuständigen Bundesministeriums, die die Gebühren an den tiermedizinisch-wissenschaftlichen Stand und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Praxisbetriebs anpassen sollte. Diese Novelle gilt als wichtiger Grund dafür, warum die Gehälter angestellter Tierärztinnen und Tierärzte seit 2022 spürbar gestiegen sind: von rund 2.500 Euro im ersten Berufsjahr 2022 auf rund 3.700 Euro im Jahr 2026 laut TVD-Gehaltsreport. Details dazu im Ratgeber zum Assistenztierarzt-Gehalt.
Umsatz ist nicht gleich Einkommen
Ein häufiges Missverständnis: Ein hoher Praxisumsatz nach GOT bedeutet nicht automatisch ein hohes persönliches Einkommen. Von jedem eingenommenen Euro gehen zunächst die Betriebskosten ab, allen voran Personal, dann Miete, medizinisches Material, Geräteabschreibung und Versicherungen. Als grobe betriebswirtschaftliche Faustregel gilt, dass die Personalkosten für angestellte Tierärztinnen und Tierärzte allein rund ein Viertel des Praxisumsatzes ausmachen sollten, damit die Praxis wirtschaftlich tragfähig bleibt. Was danach als Einkommen für die Praxisinhaberin oder den Praxisinhaber übrig bleibt, ordnet der Ratgeber zum Gehalt mit eigener Praxis ein.
Warum die GOT auch für Angestellte relevant ist
Auch wer nicht selbst eine Praxis führt, spürt die Wirkung der GOT. Sie bestimmt maßgeblich, wie viel finanzieller Spielraum eine Praxis überhaupt für Gehälter hat. Eine Novelle wie die von 2022 wirkt sich deshalb mit zeitlicher Verzögerung auch auf die Gehälter angestellter Tierärztinnen und Tierärzte aus. Diesen Zusammenhang benennt auch der bpt bei seinen Gehaltsuntergrenzen-Empfehlungen ausdrücklich. Wie du dieses Wissen in einer Verhandlung einsetzt, zeigt der Ratgeber zur Gehaltsverhandlung.
Fazit
Die GOT ist die wirtschaftliche Grundlage jeder Tierarztpraxis in Deutschland. Ihre Satz-Systematik vom einfachen bis zum vierfachen Satz bestimmt, wie viel eine Leistung kosten darf, während Kosten und Betriebsstruktur bestimmen, wie viel davon am Ende als Einkommen übrig bleibt. Die Novelle 2022 hat diesen Spielraum spürbar vergrößert, und dieser Effekt schlägt sich in den seither gestiegenen Gehältern nieder.
Theresa Vogt
Diplom-Biologin
Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.
Alle Artikel von Theresa →


