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Studieninhalte

Kuratives Praktikum in der Tiermedizin: Ablauf, Dauer, Voraussetzungen

Porträt von Konstantin BergerVon Konstantin Berger3 Min. Lesezeit
Symbolbild Tierarztpraxis – kuratives Praktikum im Tiermedizinstudium

Das Wichtigste in Kürze

  • Das kurative Praktikum besteht laut TAppV aus zwei Abschnitten: 150 Stunden in mindestens vier Wochen und 700 Stunden in mindestens 16 Wochen.
  • Der erste Abschnitt darf laut TAppV erst nach bestandener Tierärztlicher Vorprüfung, also dem Physikum, begonnen werden.
  • Der zweite Abschnitt kann in kurativer Praxis, in einer Tierklinik oder in einer Kombination aus maximal vier solcher Einrichtungen absolviert werden.
  • Voraussetzung für den zweiten Abschnitt ist eine Bescheinigung über die Teilnahme an Radiologie-Lehrveranstaltungen.

Ich habe den ersten Abschnitt hinter mir und plane gerade, wo ich den zweiten absolviere. Hier fasse ich zusammen, was laut TAppV gilt und was mich in der Praxis erwartet hat. Stand: Juli 2026.

Zwei Abschnitte, zwei Zeitpunkte

Das kurative Praktikum ist eines der größten Pflichtpraktika im Studium und Teil der insgesamt 1.170 Stunden, die im Artikel zu den Pflichtpraktika im Überblick vorgestellt werden. Wo es zeitlich in den Ablauf des Tiermedizinstudiums hineinpasst, hängt stark davon ab, wann du das Physikum bestehst. Es gliedert sich laut TAppV in zwei getrennte Abschnitte mit unterschiedlichem Umfang und unterschiedlichen Voraussetzungen.

Der erste Abschnitt umfasst 150 Stunden in mindestens vier Wochen. Wichtig: Diesen Abschnitt darfst du laut TAppV frühestens nach bestandener Tierärztlicher Vorprüfung antreten, also nach dem Physikum. Vorher lässt sich das Praktikum nicht anrechnen, egal wie gut die Praxis vor Ort ist. Das ergibt auch fachlich Sinn, denn ohne die anatomischen und physiologischen Grundlagen aus dem Physikum kannst du in der Praxis kaum sinnvoll mitarbeiten.

Der zweite Abschnitt ist deutlich umfangreicher: 700 Stunden in mindestens 16 Wochen. Das ist der mit Abstand größte Einzelposten unter allen Pflichtpraktika und liegt bei den meisten Studierenden im späteren Verlauf des klinischen Abschnitts, wenn schon mehr klinisches Grundwissen vorhanden ist.

Wo du das Praktikum machen kannst

Für den zweiten Abschnitt lässt die TAppV Wahlfreiheit: Er kann in kurativer Praxis, in einer Tierklinik oder in einer Kombination aus solchen Einrichtungen absolviert werden, erlaubt sind maximal vier verschiedene Einrichtungen insgesamt. Das bedeutet praktisch, dass du deine 700 Stunden nicht zwingend an einem Ort sammeln musst, sondern zum Beispiel einen Teil in einer Kleintierpraxis und einen anderen Teil in einer Klinik für Großtiere verbringen kannst. Wer sich noch nicht sicher ist, welche Richtung ihm liegt, kann diese Flexibilität gut nutzen, um verschiedene Bereiche kennenzulernen, bevor später Entscheidungen über die fachliche Ausrichtung anstehen.

Die Radiologie-Voraussetzung

Ein Punkt, der schnell übersehen wird: Bevor du den zweiten Abschnitt antrittst, brauchst du eine Bescheinigung über die Teilnahme an Radiologie-Lehrveranstaltungen. Ohne diesen Nachweis wird das Praktikum nicht anerkannt. Es lohnt sich also, frühzeitig zu prüfen, ob die entsprechenden Lehrveranstaltungen an deiner Uni schon absolviert sind, bevor du dir eine Praktikumsstelle für die 700 Stunden suchst – sonst kann es sein, dass du erst wieder warten musst.

Was du dort praktisch machst

Im kurativen Praktikum bist du nah dran am eigentlichen Praxisalltag: Anamnese, Untersuchung, Assistenz bei Behandlungen und Operationen, teils auch eigenständige kleinere Aufgaben unter Aufsicht. Anders als im rein universitären Klinikbetrieb bekommst du hier oft einen realistischeren Eindruck vom Alltag als niedergelassene Tierärztin oder niedergelassener Tierarzt, inklusive Zeitdruck, Kundengesprächen und der ganzen Bandbreite an Fällen, die in einer normalen Praxis ankommen. Das kann anstrengend sein, ist aber gleichzeitig eine der besten Gelegenheiten im Studium, um herauszufinden, ob dir der spätere Praxisalltag wirklich liegt.

Meine Erfahrung mit dem ersten Abschnitt

Bei mir lagen die 150 Stunden des ersten Abschnitts direkt nach dem Physikum, in den ersten vorlesungsfreien Wochen danach. Ich war überrascht, wie viel Grundlagenwissen aus den vorherigen Semestern plötzlich wieder gebraucht wurde, und wie schnell sich Theorie und Praxis dann doch verbinden lassen, wenn ein echtes Tier vor dir steht. Für den zweiten Abschnitt plane ich aktuell, die 700 Stunden auf zwei unterschiedliche Einrichtungen aufzuteilen, um beide Seiten der Praxis kennenzulernen.

Insgesamt bleibt das kurative Praktikum zeitlich der größte Brocken unter den Pflichtpraktika und gleichzeitig eine der praxisnächsten Erfahrungen im gesamten Studium. Behältst du die Voraussetzungen, also bestandenes Physikum und Radiologie-Nachweis, rechtzeitig im Blick, kannst du die Praktikumsplätze in Ruhe auswählen, statt unter Zeitdruck den erstbesten Platz zu nehmen.

Porträt von Konstantin Berger
Über die Autorin/den Autor

Konstantin Berger

Tiermedizinstudent (JLU Gießen)

Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.

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