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Studieninhalte

Das Physikum in der Tiermedizin: Der Übergang zur Klinik

Porträt von Konstantin BergerVon Konstantin Berger3 Min. Lesezeit
Symbolbild Mikroskop – Das Physikum in der Tiermedizin

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Physikum, laut TAppV der anatomisch-physiologische Abschnitt, prüft Anatomie, Histologie und Embryologie, Physiologie, Biochemie sowie Tierzucht und Genetik einschließlich Tierbeurteilung.
  • Laut TAppV soll das Physikum bis zum Ende des zweiten Studienjahres absolviert werden.
  • Zulassungsvoraussetzungen sind unter anderem ein nicht zu altes Vorphysikum-Zeugnis, Seminarnachweise und eine praktische Übung in Landwirtschaft und Tierhaltung.
  • Für viele markiert das Physikum den gefühlten Übergang vom reinen Grundlagenlernen hin zur Klinik.

Stand: Juli 2026. Alle genannten Fächer und Fristen beziehen sich auf die Approbationsordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (TAppV), gültig an allen deutschen Standorten.

Welche Fächer im Physikum geprüft werden

Nach dem Vorphysikum folgt der anatomisch-physiologische Abschnitt, kurz Physikum genannt. Laut TAppV umfasst er die Fächer Anatomie, Histologie und Embryologie, Physiologie, Biochemie sowie Tierzucht und Genetik einschließlich Tierbeurteilung. Das ist deutlich mehr Stoff als im Vorphysikum, und die Fächer greifen ineinander: Ohne solide Anatomie-Kenntnisse verstehst du die Physiologie schlechter, ohne Biochemie fehlt dir das molekulare Verständnis für physiologische Abläufe. Bei uns in Gießen ziehen sich diese Fächer über mehrere Semester und werden von Praktika im Präpariersaal und im Labor begleitet.

Besonders die Anatomie sticht heraus – du lernst sie nicht nur für eine Tierart, sondern vergleichend für mehrere. Hund, Pferd, Rind und Co. unterscheiden sich anatomisch teils erheblich. Das macht den Lernaufwand größer, aber auch das Fach greifbarer, sobald du die ersten Zusammenhänge siehst.

Zulassungsvoraussetzungen: mehr als nur Anwesenheit

Um überhaupt zum Physikum zugelassen zu werden, musst du laut § 23 TAppV mehrere Voraussetzungen erfüllen. Dein Vorphysikum-Zeugnis darf zum Zeitpunkt der Meldung nicht älter als eineinhalb Studienjahre sein. Außerdem brauchst du Teilnahmebescheinigungen für die Seminare in den Physikum-Fächern und mindestens 84 Stunden Wahlpflichtveranstaltungen.

Ein Punkt wird oft unterschätzt: die 70-stündige praktische Übung in Landwirtschaft, Tierzucht und Tierhaltung auf einem Lehrgut, laut TAppV in mindestens zwei Wochen zu absolvieren. Ohne landwirtschaftliche Vorerfahrung muss man dieses Praktikum also aktiv einplanen. Alternativ zählt auch eine abgeschlossene landwirtschaftliche Ausbildung, ein vierwöchiges Praktikum in einem anerkannten Lehrbetrieb oder eine von der Uni als gleichwertig anerkannte Ausbildung. Mein Tipp: Das möglichst früh organisieren, am besten schon vor oder in den ersten Semesterferien, denn Plätze auf Lehrgütern sind nicht unbegrenzt verfügbar und die Bescheinigung brauchst du für die Zulassung zum Physikum.

Wann das Physikum ansteht

Laut TAppV soll das Physikum bis zum Ende des zweiten Studienjahres abgeschlossen sein. Realistisch heißt das: Zwischen dem Ende des Vorphysikums und dem Physikum liegen bei planmäßigem Verlauf ungefähr zwei weitere Semester, in denen du parallel Anatomie, Histologie, Physiologie, Biochemie und Tierzucht lernst und gleichzeitig die formalen Voraussetzungen wie das landwirtschaftliche Praktikum erfüllst. Das ist eng getaktet, und wer hier ins Straucheln gerät, merkt schnell, wie viel an diesem Punkt des Studiums zusammenläuft.

Wie sich diese Phase im Studium anfühlt

Für mich war das Physikum die Zeit, in der das Studium plötzlich “echter” wurde. Im Vorphysikum lernst du noch relativ abstrakte Naturwissenschaften, im Physikum sitzt du im Präpariersaal, siehst echte Organe und verstehst zum ersten Mal richtig, wie ein Tierkörper funktioniert. Gleichzeitig ist es auch die Phase, in der der Druck spürbar steigt – die Stoffmenge in Anatomie und Physiologie ist enorm, und beide Fächer gelten unter Studierenden zu Recht als besonders zeitintensiv.

Was mir persönlich geholfen hat: nicht versuchen, alles gleichzeitig zu pauken, sondern Fach für Fach in festen Blöcken durcharbeiten und dabei immer wieder Bezüge zwischen den Fächern herstellen. Beim Lernen der Anatomie schon an die passende Physiologie zu denken, spart später doppelte Arbeit.

Fazit

Das Physikum ist der Punkt im Ablauf des Tiermedizinstudiums, an dem aus Grundlagenwissen langsam klinisches Verständnis wird. Es verlangt Ausdauer, organisatorisches Geschick bei den Zulassungsvoraussetzungen und ein gutes Zeitmanagement über mehrere anspruchsvolle Fächer hinweg. Wer diese Phase gut übersteht, ist bestens vorbereitet auf das, was danach kommt: die Pflichtpraktika und schließlich der klinische Abschnitt.

Porträt von Konstantin Berger
Über die Autorin/den Autor

Konstantin Berger

Tiermedizinstudent (JLU Gießen)

Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.

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