Das Wichtigste in Kürze
- Das Vorphysikum ist der naturwissenschaftliche Abschnitt am Anfang des Tiermedizinstudiums und prüft laut TAppV die Fächer Physik, Chemie, Zoologie sowie Botanik der Futter-, Gift- und Heilpflanzen.
- Laut TAppV soll das Vorphysikum bis zum Ende des ersten Studienjahres abgelegt werden.
- Es ist die erste echte Bewährungsprobe im Studium: Viele merken hier zum ersten Mal, wie anders Uni-Lernen im Vergleich zur Schule funktioniert.
- Wer das Vorphysikum früh strukturiert angeht, hat im weiteren Studienverlauf spürbar mehr Luft.
Die genannten Fächer und Fristen ergeben sich aus der Approbationsordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (TAppV), die für alle Standorte in Deutschland gilt. Stand: Juli 2026.
Was genau wird im Vorphysikum geprüft
Auch wenn der Name es vermuten lässt: Mit den Tieren, die du später behandeln willst, hat das Vorphysikum erstmal wenig zu tun. Laut TAppV geht es um vier Fächer: Physik, einschließlich der Grundlagen des physikalischen Strahlenschutzes, Chemie, Zoologie und Botanik der Futter-, Gift- und Heilpflanzen. Das klingt nach einem Grundkurs, den man auch in jedem anderen naturwissenschaftlichen Studiengang belegen könnte, und genau das ist der Punkt. Bevor es an Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre geht, sollst du das naturwissenschaftliche Handwerkszeug draufhaben, mit dem später alles andere erklärt wird.
Bei uns in Gießen laufen diese Fächer parallel zu den ersten Anatomie- und Biochemie-Veranstaltungen, die schon Richtung Physikum zielen. Das heißt: Du sitzt im ersten Semester nicht nur in Chemie-Praktika, sondern hast von Anfang an auch mit den Themen zu tun, die dich die kommenden Jahre begleiten. Das kann anstrengend sein, gibt dir aber auch früh ein Gefühl dafür, worum es im Studium eigentlich geht.
Wann du das Vorphysikum ablegen musst
Laut TAppV soll das Vorphysikum bis zum Ende des ersten Studienjahres absolviert sein. In der Praxis heißt das: Du hast im Grunde zwei Semester Zeit, um dir das nötige Wissen in Physik, Chemie, Zoologie und Botanik anzueignen und die entsprechenden Prüfungen zu bestehen. Klingt eng, ist es teilweise auch. Gerade wenn du aus der Schule kommst und länger keine Chemie-Formeln mehr aufgestellt hast, ist das erste Semester oft ein Kulturschock.
Wichtig zu wissen: Das Vorphysikum ist keine einzelne Klausur, sondern setzt sich aus den Prüfungen in den einzelnen Fächern zusammen. Wer hier durchfällt, muss nicht gleich das ganze Studium infrage stellen, verliert aber wertvolle Zeit. Und die holt man sich später nur schwer zurück, wenn parallel schon die nächsten Fächer anstehen.
Wie sich das erste Jahr wirklich anfühlt
Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Semester: Montags Physik-Praktikum, dienstags Chemie-Seminar, dazwischen Zoologie-Vorlesungen mit gefühlt hundert lateinischen Fachbegriffen pro Sitzung. Am Anfang wirkt das Pensum riesig, weil du noch kein Gefühl dafür hast, wie viel Zeit du für welches Fach wirklich brauchst. Was mir geholfen hat: von Anfang an einen festen Lernrhythmus statt kurz vor der Prüfung alles reinzuprügeln. Botanik zum Beispiel lebt vom Wiedererkennen, von Pflanzen, Blättern und Giftpflanzen im Vergleich, und das lernt sich schlecht in einer Nacht.
Was viele unterschätzen: Der Übergang von der Schule zur Uni ist im Vorphysikum am größten. Niemand kontrolliert, ob du zur Vorlesung gehst oder mitlernst. Diese Freiheit ist toll, kann aber auch dazu führen, dass man sich verzettelt. Meine Erfahrung: Wer sich mit anderen aus dem Semester zu Lerngruppen zusammentut, kommt deutlich entspannter durch die ersten beiden Semester. Allein mit Physik-Aufgaben zu kämpfen macht wenig Spaß, zu zweit oder dritt geht es oft schneller und man merkt eigene Lücken früher.
Warum sich der Aufwand lohnt
Das Vorphysikum wirkt auf den ersten Blick wie ein notwendiges Übel vor dem “eigentlichen” Tiermedizinstudium. Tatsächlich legst du hier aber Grundlagen, auf die du später ständig zurückgreifst. Physikalisches Verständnis brauchst du zum Beispiel wieder, wenn es um Röntgen und Strahlenschutz geht. Chemisches Grundwissen taucht in der Biochemie und Physiologie wieder auf. Und wer botanische Grundlagen sitzen hat, tut sich später leichter, wenn es um Vergiftungen durch Futter- oder Giftpflanzen bei Nutz- und Kleintieren geht.
Fazit
Das Vorphysikum ist kein Selbstzweck, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Es ist der erste Baustein im Ablauf des Tiermedizinstudiums und bereitet dich gezielt auf das vor, was danach kommt. Wer schon vor Studienbeginn weiß, wie hart umkämpft die Studienplätze über den Numerus clausus sind, hat oft auch die Motivation, sich im ersten Jahr richtig reinzuhängen, und genau diese Motivation trägt einen durchs Vorphysikum.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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