Das Wichtigste in Kürze
- Die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) vergibt 10 % der Tiermedizin-Plätze komplett unabhängig von der Abiturnote.
- Zu den bundesweit möglichen Kriterien zählen unter anderem Testergebnisse, eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung, Berufstätigkeit oder ein anerkannter Dienst.
- Welche dieser Kriterien konkret zählen und wie sie gewichtet werden, legt jede Hochschule in ihrer eigenen Satzung fest.
- Die frühere Wartezeitquote wurde abgeschafft: Seit dem Sommersemester 2022 zählt reine Wartezeit in keiner der drei Quoten mehr, auch nicht in der ZEQ.
Die ZEQ ist die am wenigsten bekannte der drei Quoten. Dabei kann sie gerade für Bewerberinnen und Bewerber mit praktischer Vorerfahrung, etwa aus einer TFA-Ausbildung, echte Chancen eröffnen. Dieser Überblick ist auf dem Stand von Juli 2026.
Was die ZEQ von den anderen Quoten unterscheidet
Während in der Abiturbestenquote ausschließlich die Note zählt und im AdH die Note zumindest mitentscheidet, blendet die ZEQ die Abiturnote komplett aus. Vergeben werden hier 10 % der Studienplätze nach ausschließlich schulnotenunabhängigen Kriterien. Wie sich das ins Gesamtbild der drei Quoten einfügt, siehst du im Grundlagenartikel NC Tiermedizin.
Welche Kriterien bundesweit möglich sind
Für die ZEQ gibt es einen bundesweit einheitlichen Katalog an möglichen Kriterien, aus dem sich jede Hochschule bedienen und den sie individuell gewichten kann. Dazu zählen unter anderem:
- Ergebnis eines Studierfähigkeitstests wie dem Test für Medizinische Studiengänge (TMS)
- Abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung, etwa als Tiermedizinische Fachangestellte oder Tiermedizinischer Fachangestellter
- Berufstätigkeit in einem fachlich passenden Bereich
- Freiwilliger Dienst, zum Beispiel Bundesfreiwilligendienst oder ein soziales Jahr im tierärztlichen Umfeld
- Anerkannte Preise aus fachlich relevanten Wettbewerben
Welche dieser Kriterien an welchem der fünf Standorte tatsächlich zählen und wie stark sie gewichtet werden, ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich geregelt. Details dazu findest du jeweils in der aktuellen Zulassungssatzung der Wunsch-Uni sowie gebündelt im Ratgeber AdH: Auswahlverfahren der 5 Hochschulen im Detail, da sich viele Kriterien in ZEQ und AdH überschneiden.
Warum die alte Wartezeitquote nicht mehr existiert
Früher gab es eine eigenständige Wartezeitquote, bei der reines Warten auf einen Studienplatz allein zum Erfolg führen konnte. Diese Quote wurde im Zuge der Zulassungsreform für die NC-Studiengänge Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie abgeschafft, Wartezeit wird seit dem Sommersemester 2022 in keinem der drei Vergabewege mehr berücksichtigt – auch nicht als Teilkriterium der ZEQ. Was heute stattdessen zählt, sind eigenständige Kriterien wie Berufsausbildung, Berufstätigkeit oder Dienst, die inhaltlich in eine ähnliche Richtung gehen können (praktische Erfahrung statt reiner Note), aber unabhängig von der verstrichenen Zeit bewertet werden.
Für wen sich die ZEQ besonders lohnt
Die ZEQ ist vor allem für Bewerberinnen und Bewerber interessant, die zwar keinen Top-Abiturschnitt mitbringen, dafür aber praktische Erfahrung im tiermedizinischen Umfeld gesammelt haben. Hast du dich zum Beispiel vor dem Studium zur Tiermedizinischen Fachangestellten ausbilden lassen, kannst du diese Ausbildung hier direkt einbringen. Mehr dazu im Ratgeber TFA-Ausbildung: Der Bonus im Auswahlverfahren. Wer systematisch prüfen will, welche Hebel neben der Abiturnote noch zur Verfügung stehen, findet eine Übersicht im Ratgeber Zulassungschancen verbessern.
Ein Beispiel aus dem Bekanntenkreis
Eine ehemalige Mitschülerin von mir hat nach dem Abitur zunächst keinen Platz über die Abiturbestenquote bekommen, ihre Note lag knapp darunter. Statt sofort auf eine Studienplatzklage zu setzen, hat sie sich zur Tiermedizinischen Fachangestellten ausbilden lassen und parallel den TMS mitgeschrieben. Im nächsten Bewerbungsjahr hat genau diese Kombination aus Berufsausbildung und Testergebnis über die ZEQ eines Standorts den Ausschlag gegeben. Das ist natürlich ein Einzelfall und kein Versprechen auf einen ähnlichen Verlauf – zeigt aber, wie die ZEQ in der Praxis wirken kann, wenn die Abiturnote allein nicht reicht.
Zusammengefasst
Die Zusätzliche Eignungsquote ist mit 10 % zwar die kleinste der drei Quoten, aber für viele Bewerberinnen und Bewerber ohne Einser-Abitur die realistischste Chance neben dem AdH. Weißt du frühzeitig, welche schulnotenunabhängigen Kriterien an den Wunsch-Standorten zählen, kannst du gezielt darauf hinarbeiten, etwa mit einer Berufsausbildung oder einem guten Testergebnis. Den Gesamtüberblick über alle Vergabewege findest du im Hub-Artikel Tiermedizin studieren in Deutschland.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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