Das Wichtigste in Kürze
- Das Wahlpraktikum ist laut §60 TAppV Teil des Praxis-Praktikums und umfasst mindestens 75 Stunden bzw. zwei Wochen, maximal 350 Stunden bzw. acht Wochen.
- Es kann an sehr unterschiedlichen Einrichtungen absolviert werden, von Uni-Instituten bis zur Pharma- oder Futtermittelindustrie.
- Ein Auslandsaufenthalt ist grundsätzlich möglich, wenn die Einrichtung vergleichbar ist und von der Heimatuniversität anerkannt wird.
- Das Wahlpraktikum ist eine gute Gelegenheit, eigene fachliche Interessen jenseits des Standardstundenplans auszuprobieren.
Ich habe mein Wahlpraktikum noch nicht final abgeschlossen, plane es aber gerade. Die folgenden Informationen zum rechtlichen Rahmen beziehen sich auf die TAppV (Stand: Juli 2026), Details zur Anerkennung solltest du immer mit deiner Fakultät abstimmen.
Was das Wahlpraktikum überhaupt ist
Das Wahlpraktikum ist Teil des praktischen Studienabschnitts, der laut TAppV insgesamt 1.170 Stunden umfasst und neben dem Studium selbst verpflichtend ist. Anders als das kurative Praktikum oder das Schlachthofpraktikum, die zu den Pflichtpraktika mit klar festgelegtem Inhalt gehören, gibt dir das Wahlpraktikum nach §60 TAppV die Freiheit, den Bereich selbst zu bestimmen. Vorgegeben ist nur der zeitliche Rahmen: mindestens 75 Stunden, umgerechnet etwa zwei Wochen, bis maximal 350 Stunden, umgerechnet etwa acht Wochen. Innerhalb dieses Rahmens kannst du selbst entscheiden, was du machen möchtest und wie viel Zeit du investierst – solange es zu deiner sonstigen Studienplanung passt.
Wo du das Wahlpraktikum absolvieren kannst
Die Liste möglicher Einrichtungen ist bewusst breit gefasst. Infrage kommen laut TAppV unter anderem Institute der eigenen oder anderer Universitäten, Forschungsanstalten, Veterinäruntersuchungseinrichtungen, Tiergesundheitsdienste, die Pharma- oder Futtermittelindustrie sowie zoologische Gärten. Das macht das Wahlpraktikum zu einem der wenigen Bausteine im Studium, bei denen du wirklich frei wählen kannst, in welche Richtung du reinschnuppern möchtest. Wer sich zum Beispiel für Forschung interessiert, kann an einem Institut arbeiten. Wer eher in Richtung Industrie oder Zulassung schauen möchte, kann eine entsprechende Einrichtung wählen. Diese Offenheit unterscheidet das Wahlpraktikum deutlich von den übrigen, inhaltlich fest vorgegebenen Praktika im Studium.
Das Wahlpraktikum im Ausland
Besonders spannend finde ich, dass das Wahlpraktikum auch im Ausland absolviert werden kann. Die Voraussetzung dafür ist, dass die ausländische Einrichtung mit den in der TAppV genannten Einrichtungen vergleichbar ist und von deiner Heimatuniversität als solche anerkannt wird. Das bedeutet in der Praxis: Bevor du losfährst, solltest du frühzeitig mit dem zuständigen Prüfungsamt oder der entsprechenden Stelle an deiner Fakultät klären, ob die geplante Einrichtung anerkannt werden kann. Diesen Schritt solltest du auf keinen Fall überspringen, sonst riskierst du, dass dir das Praktikum am Ende nicht angerechnet wird, obwohl du die Zeit investiert hast. Ein Auslandspraktikum lohnt sich aber gerade deshalb, weil du nicht nur fachlich, sondern auch sprachlich und kulturell etwas mitnimmst und einen Eindruck davon bekommst, wie Tiermedizin außerhalb Deutschlands funktioniert.
Warum sich das Wahlpraktikum lohnt, um eigene Interessen auszuloten
Im festen klinischen Abschnitt und bei den übrigen Pflichtpraktika hast du wenig Spielraum, eigene Schwerpunkte zu setzen, weil der Stundenplan vorgibt, was ansteht. Das Wahlpraktikum ist hier die Ausnahme – und genau das macht es aus meiner Sicht wertvoll: Du kannst ausprobieren, ob dir ein Bereich liegt, bevor du dich später beruflich in eine Richtung festlegst. Wer noch unsicher ist, ob eine Promotion, Stichwort Doktorarbeit im Studium, interessant wäre, kann das Wahlpraktikum auch nutzen, um Kontakt zu einem Institut aufzubauen und in wissenschaftliches Arbeiten reinzuschnuppern. So oder so: Diese Wochen sind eine der wenigen Phasen im Studium, in denen du wirklich selbst am Steuer sitzt.
Was du daraus mitnehmen kannst
Das Wahlpraktikum nach §60 TAppV ist klein im Vergleich zum Gesamtstudium, aber groß in seiner Wirkung, wenn du es sinnvoll nutzt. Ob im Labor, in der Industrie, im Zoo oder im Ausland: Wichtig ist vor allem, frühzeitig zu planen und die Anerkennung rechtzeitig mit deiner Universität abzuklären. Dann bleibt dir viel Freiraum, genau die Erfahrung zu sammeln, die dich fachlich am meisten weiterbringt.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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