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Tierarztberuf & Karrierewege

Eigene Tierarztpraxis gründen: Schritt für Schritt

Porträt von Marco LindnerVon Marco Lindner3 Min. Lesezeit
Symbolbild Praxisgründung – Grundriss einer Tierarztpraxis

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine eigene Praxis zu gründen bedeutet vor allem: Standort, Finanzierung, Ausstattung und Zulassungen – noch bevor der erste Patient behandelt wird.
  • Die Investitionskosten sind erheblich, von der Praxiseinrichtung über Fahrzeuge bis zur medizinischen Ausstattung.
  • Wer auf dem Land gründet, kann mit weniger Konkurrenz rechnen, muss aber auch ein größeres Einzugsgebiet und mehr Fahrtzeit einplanen.
  • Eine gute Vorbereitung, oft mit Steuerberatung und Bankgespräch, entscheidet über einen reibungslosen Start.

Aus der Nähe beobachtet

In unserer Region hat vor einigen Jahren eine junge Tierärztin, die vorher als Angestellte bei unserem Bestandsbetreuer mitgearbeitet hat, ihre eigene Praxis eröffnet. Ich habe diesen Weg über die Monate ein Stück weit mitbekommen, vom ersten Gespräch über einen möglichen Standort bis zur Eröffnung. Was mir dabei klar wurde: Eine Praxisgründung ist weit mehr als nur „ein eigenes Schild an die Tür schrauben“.

Der Standort entscheidet vieles

Am Anfang steht die Frage, wo die Praxis überhaupt entstehen soll. Auf dem Land gibt es oft weniger Konkurrenz durch andere Praxen, dafür ein größeres Einzugsgebiet mit entsprechend langen Anfahrtswegen, gerade wenn Nutztiere mit betreut werden sollen. In der Stadt ist die Konkurrenz größer, dafür sind die Wege kürzer und das Patientenaufkommen oft dichter. Wer sich für einen Standort entscheidet, sollte sich vorher genau ansehen, wie die tierärztliche Versorgung in der Region bereits aussieht und wo eine echte Lücke besteht.

Investitionen, die es in sich haben

Eine Tierarztpraxis braucht von Anfang an eine solide Ausstattung: Behandlungsräume, OP-Bereich, Labordiagnostik, oft auch Röntgen- und Ultraschallgerät. Wer zusätzlich mobil arbeitet, etwa in der Nutztier- oder Pferdepraxis, braucht dazu ein entsprechend ausgestattetes Fahrzeug. Diese Investitionen summieren sich schnell auf einen sechsstelligen Betrag, weshalb die Finanzierung meist über einen Bankkredit läuft. Ein detaillierter Businessplan mit realistischer Kalkulation ist dafür Voraussetzung – hier lohnt sich oft die Unterstützung durch eine Steuerberatung mit Erfahrung im Gesundheitswesen.

Formalitäten und Genehmigungen

Neben der wirtschaftlichen Seite müssen auch formale Hürden genommen werden: die Approbation als Voraussetzung für die selbstständige Tätigkeit, die Anmeldung bei der zuständigen Tierärztekammer, je nach Bundesland eventuell weitere Genehmigungen für Praxisräume oder die Haltung von Betäubungsmitteln. Auch versicherungstechnisch gibt es einiges zu klären, von der Berufshaftpflicht bis zur Praxisausfallversicherung.

Der erste Patient ist nicht der letzte Schritt

Was ich bei der jungen Tierärztin aus unserer Region beobachtet habe: Die eigentliche Eröffnung war nur ein Etappenziel. Danach ging es darum, sich einen Patientenstamm aufzubauen, sich in der Region als verlässliche Anlaufstelle zu etablieren und gleichzeitig die laufenden Kosten im Blick zu behalten. Wer sich selbstständig macht, trägt eben nicht nur die fachliche, sondern auch die unternehmerische Verantwortung. Das ist ein Aspekt, der im Studium selbst kaum vorkommt.

Zeitpunkt und Erfahrung

Aus dem, was ich bei der jungen Tierärztin aus unserer Region beobachtet habe, entscheidet auch der Zeitpunkt der Gründung über den Erfolg. Wer direkt nach der Approbation den Sprung in die Selbstständigkeit wagt, hat oft wenig praktische Erfahrung im Führen eines eigenen Betriebs. Viele warten deshalb bewusst einige Jahre, sammeln als Angestellte Erfahrung in einer bestehenden Praxis, lernen dabei nebenbei auch etwas über Organisation und Kundenbindung, bevor sie den eigenen Schritt wagen. Das verlängert zwar den Weg zur eigenen Praxis, senkt aber spürbar das unternehmerische Risiko – ein Kompromiss, den viele angehende Praxisinhaberinnen und -inhaber am Ende als sinnvoll empfinden.

Alternative: eine bestehende Praxis übernehmen

Nicht jede Gründung beginnt bei null. Viele angehende Praxisinhaberinnen und -inhaber übernehmen stattdessen eine bestehende Praxis mit vorhandenem Patientenstamm. Das senkt manche Risiken, bringt aber eigene Herausforderungen mit sich. Mehr dazu im Artikel zur Praxisübernahme.

Am Ende zählt die Vorbereitung

Eine eigene Tierarztpraxis zu gründen, ist ein großer Schritt mit erheblichem finanziellem und organisatorischem Aufwand. Zugleich ist es der Weg in echte unternehmerische Selbstständigkeit. Wer sich gut vorbereitet, Standort und Finanzierung realistisch plant und sich Unterstützung an die Seite holt, hat gute Chancen auf einen erfolgreichen Start. Was sich am Ende finanziell lohnt, zeigt der Artikel zum Gehalt mit eigener Praxis; wie viel vom Praxisumsatz tatsächlich übrig bleibt, erklärt der Artikel zur GOT.

Porträt von Marco Lindner
Über die Autorin/den Autor

Marco Lindner

Landwirt

Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.

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