Das Wichtigste in Kürze
- Assistenzärztinnen und Assistenzärzte in der Humanmedizin starten laut Tarifvertrag (Marburger Bund) deutlich höher als der tierärztliche Berufseinstieg: rund 5.600 bis 5.630 Euro brutto im Monat gegenüber rund 3.700 Euro bei Tierärztinnen und Tierärzten.
- Der Hauptgrund liegt weniger in der Ausbildung als in der Struktur: Humanmedizinische Kliniken sind fast durchgängig tariflich organisiert, private Tierarztpraxen dagegen nicht.
- Mit Spezialisierung, Industrie oder öffentlichem Dienst nähern sich die Gehälter der Tiermedizin dem Niveau der Humanmedizin an, erreichen es aber im Schnitt weiterhin nicht.
- Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) begrenzt strukturell, was eine Praxis erwirtschaften kann, anders als das Abrechnungssystem in der Humanmedizin.
Die Werte in diesem Artikel (Stand Juli 2026) stammen aus Tarifverträgen und Gehaltsumfragen und bilden Durchschnitte ab.
Der Einstieg im direkten Vergleich
Der Unterschied zeigt sich am deutlichsten beim Berufseinstieg. Assistenzärztinnen und Assistenzärzte in kommunalen Kliniken starten nach dem Tarifvertrag des Marburger Bunds (VKA) im ersten Jahr bei rund 5.610 Euro brutto im Monat, an Universitätskliniken (TdL) bei rund 5.627 Euro. Der tierärztliche Berufseinstieg lag laut TVD-Gehaltsreport 2026 im Schnitt bei rund 3.700 Euro im Monat. Details dazu stehen im Ratgeber zum Assistenztierarzt-Gehalt.
| Berufsgruppe | Einstiegsgehalt (ca., brutto/Monat) |
|---|---|
| Assistenzarzt/-ärztin, VKA-Tarif | rund 5.610 Euro |
| Assistenzarzt/-ärztin, Uniklinik (TdL) | rund 5.627 Euro |
| Tierärztin/Tierarzt, 1. Berufsjahr | rund 3.700 Euro |
Die Lücke von fast 2.000 Euro im Monat ist erheblich, und sie erklärt sich nicht durch eine kürzere oder leichtere Ausbildung. Das Tiermedizinstudium dauert mit rund elf Semestern ähnlich lang wie das Humanmedizinstudium.
Warum die Gehälter so unterschiedlich ausfallen
Der zentrale Unterschied liegt in der Struktur der jeweiligen Berufsfelder:
- Tarifbindung: Assistenzärztinnen und Assistenzärzte arbeiten fast ausschließlich in Kliniken, die tariflich organisiert sind (Marburger Bund, TdL, VKA). Private Tierarztpraxen kennen dagegen keinen Flächentarif, die Gehälter werden individuell verhandelt, oft orientiert an unverbindlichen Empfehlungen wie den Gehaltsuntergrenzen des bpt.
- Finanzierungssystem: Die Humanmedizin ist über das Kassensystem und die Krankenhausfinanzierung in ein großes, kollektiv finanziertes System eingebettet. Tierarztpraxen finanzieren sich dagegen vollständig über private Zahlungen der Tierhalterinnen und Tierhalter nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Mehr dazu im Ratgeber zu GOT und Praxisumsatz.
- Praxisgröße und Kapitalintensität: Humanmedizinische Kliniken sind meist größere, kapitalstärkere Institutionen. Die typische Tierarztpraxis ist dagegen ein kleiner bis mittlerer Betrieb mit begrenztem finanziellem Spielraum.
Wo sich die Gehälter annähern
Nicht überall bleibt die Lücke gleich groß. Im öffentlichen Dienst gilt für beide Berufsgruppen dasselbe Tarifsystem (TVöD/TV-L). Tierärztinnen und Tierärzte werden dort nach Entgeltgruppe 14 oder 15 eingestuft, was näher an ärztliche Gehälter heranreicht als die freie Praxis. Details dazu stehen im Ratgeber zum Gehalt im öffentlichen Dienst. Auch in der Industrie, wo Tierärztinnen und Tierärzte laut Gehaltsreport 2026 im Schnitt rund 6.200 Euro verdienen, nähert sich das Niveau der Humanmedizin deutlich an oder übertrifft es sogar in Teilbereichen.
Was der Blick auf die Arbeitszeit ergänzt
Ein reiner Monatsgehaltsvergleich blendet die tatsächliche Arbeitszeit aus. Assistenzärztinnen und Assistenzärzte in Kliniken arbeiten laut zahlreichen Berichten aus der Branche regelmäßig deutlich über die tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit hinaus, unter anderem durch Bereitschaftsdienste. Auch in der Tiermedizin sind lange Arbeitszeiten keine Seltenheit, insbesondere in der niedergelassenen Praxis mit Notdienst. Ein sauberer Vergleich müsste deshalb eigentlich den Stundenlohn statt des Monatsgehalts heranziehen. Dafür fehlen jedoch belastbare, direkt vergleichbare Daten für beide Berufsgruppen, weshalb sich diese Einordnung bislang nur qualitativ treffen lässt.
Was das für die eigene Berufswahl bedeutet
Der Gehaltsvergleich fällt strukturell zugunsten der Humanmedizin aus. Das liegt nicht daran, dass die tierärztliche Ausbildung weniger anspruchsvoll wäre, sondern daran, dass sich das Finanzierungssystem der beiden Berufe grundlegend unterscheidet. Diesen Unterschied sollte kennen, wer sich für die Tiermedizin entscheidet, ihn aber auch mit den spezifischen Karrierewegen abgleichen, die das Gehaltsniveau innerhalb der Tiermedizin deutlich anheben können, etwa Fachtierarzt-Weiterbildung, öffentlicher Dienst oder Industrie.
Theresa Vogt
Diplom-Biologin
Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.
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