Das Wichtigste in Kürze
- Das landwirtschaftliche Praktikum umfasst laut TAppV 70 Stunden in mindestens zwei Wochen auf einem landwirtschaftlichen Lehrgut der Universität.
- Es ist eine Zulassungsvoraussetzung für das Physikum, nicht Teil der späteren 1.170 Praktikumsstunden aus dem dritten Abschnitt der TAppV – deshalb liegt es früh im Studium.
- Alternativ zum Lehrgut-Praktikum werden eine abgeschlossene landwirtschaftliche Ausbildung, ein vierwöchiges Praktikum in einem anerkannten Lehrbetrieb oder eine vergleichbare, von der Uni anerkannte Ausbildung akzeptiert.
- Für viele ist es der erste echte Kontakt mit Nutztieren im Studium.
Ich habe meins schon zu Beginn des Studiums in Gießen absolviert. Hier beschreibe ich, wie es abläuft und was laut TAppV dafür gilt. Stand: Juli 2026.
Warum dieses Praktikum eine Sonderrolle hat
Anders als die meisten anderen Pflichtpraktika, die im Überblicksartikel zu den Pflichtpraktika im Tiermedizinstudium vorgestellt werden, ist das landwirtschaftliche Praktikum formal keine Voraussetzung für die Tierärztliche Prüfung, sondern eine Zulassungsvoraussetzung für das Physikum. Das bedeutet: Du musst es vergleichsweise früh im Studium absolvieren, meist schon in den ersten Semestern oder sogar vor Studienbeginn, deutlich vor allen anderen Stationen im Ablauf des Tiermedizinstudiums.
Der Standardweg: 70 Stunden am Lehrgut
Laut TAppV umfasst das landwirtschaftliche Praktikum 70 Stunden in mindestens zwei Wochen und wird klassischerweise auf einem landwirtschaftlichen Lehrgut der Universität absolviert. Diese Lehrgüter gehören zu den tiermedizinischen Fakultäten und sind speziell darauf ausgerichtet, Studierenden einen strukturierten Einstieg in die Nutztierhaltung zu ermöglichen: von der täglichen Fütterung über Stallarbeit bis zu grundlegenden Handling-Techniken bei Rindern, Schweinen oder anderen Nutztieren.
Welche Alternativen es gibt
Nicht jeder muss zwingend über das Lehrgut gehen. Laut TAppV werden auch folgende Wege anerkannt:
- eine bereits abgeschlossene landwirtschaftliche Ausbildung,
- ein vierwöchiges landwirtschaftliches Praktikum in einem anerkannten Lehrbetrieb – dieses kann bei Bedarf auch auf zwei Betriebe mit je zwei Wochen aufgeteilt werden,
- oder eine vergleichbare, von der Universität anerkannte Ausbildung.
Wer also schon vor dem Studium landwirtschaftliche Erfahrung gesammelt hat, zum Beispiel durch eine Ausbildung oder ein längeres Praktikum auf einem Hof, kann sich das unter Umständen anrechnen lassen. Es lohnt sich, das frühzeitig mit der zuständigen Stelle an der eigenen Uni zu klären, statt sich erst kurz vor der Physikums-Anmeldung darum zu kümmern.
Was du dort tatsächlich lernst
Im Kern geht es darum, ein Gefühl für Nutztiere und ihre Haltung zu bekommen, bevor die tiermedizinische Ausbildung selbst richtig losgeht. Das umfasst ganz praktische Dinge: Wie nähere ich mich einem Rind sicher, wie funktioniert der Tagesablauf in einem Stall, welche Fütterungsroutinen gibt es, worauf muss ich bei der Sauberkeit und beim Umgang mit den Tieren achten. Für viele Studierende, die vorher wenig oder gar keinen Kontakt zu Nutztieren hatten, ist das ein wichtiger erster Schritt – gerade weil Nutztiermedizin später ein ganz eigener, großer Bereich im Studium und im Berufsleben ist.
Warum es vor dem Physikum sinnvoll ist
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Bevor du dich intensiv mit Anatomie, Physiologie und den anderen Grundlagenfächern beschäftigst, sollst du bereits eine grundlegende Vorstellung davon haben, wie Nutztiere gehalten werden und wie man mit ihnen umgeht. Das erleichtert später vieles: Wenn im Studium zum Beispiel Verhaltensweisen oder Haltungsbedingungen besprochen werden, hast du bereits eigene Anschauung dazu, statt dir alles nur aus der Theorie vorstellen zu müssen.
Meine Erfahrung
Ich habe mein Praktikum am Lehrgut absolviert, noch bevor der eigentliche Vorlesungsbetrieb bei uns in Gießen richtig losging. Ehrlich gesagt war es körperlich anstrengender, als ich gedacht hatte: frühes Aufstehen, Stallarbeit, wechselndes Wetter. Aber genau das hat mir geholfen zu verstehen, worüber später in Vorlesungen zur Nutztierhaltung eigentlich gesprochen wird. Es hat sich später auch im Physikum bemerkbar gemacht, weil vieles nicht mehr komplett abstrakt war.
Zum Schluss
Das landwirtschaftliche Praktikum ist mit 70 Stunden das kleinste unter den Pflichtpraktika, aber zeitlich meist das erste, mit dem du in Kontakt kommst. Gehst du es früh und bewusst an, profitierst du später im Studium davon und hast einen soliden Grundstein für alles gelegt, was danach an Nutztierthemen im Studium folgt.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
Alle Artikel von Konstantin →


