Das Wichtigste in Kürze
- Den einen Aufnahmetest gibt es nicht. Jede Universität hat ein eigenes Verfahren, von schriftlichen Bio-/Chemie-Tests über Online-Interviews bis zur reinen Notenauswahl.
- Naturwissenschaftliches Grundwissen in Biologie und Chemie ist an fast allen Standorten Kernbestandteil, unabhängig vom konkreten Format.
- Wien und die Schweiz fallen aus dem Rahmen: Beide haben eigene, sehr kompetitive Eignungstests, unabhängig vom MedAT beziehungsweise mit strengem Numerus clausus.
- Wer sich früh auf das jeweilige Format vorbereitet, verbessert seine Chancen deutlich. Die Testformate unterscheiden sich stärker, als viele erwarten.
Bevor du dich für einen Standort entscheidest, lohnt sich ein genauer Blick auf das Zulassungsverfahren (Stand: Juli 2026). Ein Test mit Multiple-Choice-Fragen fühlt sich schließlich völlig anders an als ein Auswahlgespräch.
Schriftliche Aufnahmetests: die klassische Variante
An mehreren Universitäten entscheidet ein schriftlicher, fachlicher Test über die Zulassung. In Budapest gilt das allerdings nicht für alle: Für Abiturient:innen deutscher, österreichischer und Schweizer Schulen entfällt der Aufnahmetest laut Universität, die Zulassungskommission entscheidet dort anhand der eingereichten Unterlagen. In Košice gibt es einen schriftlichen Test in Biologie und Chemie auf dem Niveau der slowakischen Abiturprüfung, ergänzt um Zusatzpunkte für Erfolge bei Fachwettbewerben wie Olympiaden. Und in Kaunas besteht die Prüfung aus einem Interview und einem Multiple-Choice-Teil mit je 30 Fragen zu Biologie und Chemie innerhalb von 90 Minuten.
Online-Tests und Interviews
Nicht überall findest du dich mit Papier und Stift in einem Prüfungsraum wieder. In Tartu läuft die Zulassung über den International Student Admission Test (ISAT), einen rund dreistündigen Online-Test, der weniger reines Faktenwissen als kritisches und quantitatives Denkvermögen prüft. In Jelgava gibt es neben dem Sprachnachweis einen Online-Eingangstest in Biologie und Chemie, und in Breslau ist ein Online-Interview Teil des Bewerbungsverfahrens, ergänzend zur eingereichten Bewerbungsmappe.
Notenauswahl statt Test
An manchen Standorten spielt ein einzelner Testtermin gar keine zentrale Rolle. In Zagreb gibt es aktuell keinen klassischen Aufnahmetest mehr. Die Auswahl erfolgt dort anhand der Abiturnoten, besonderer Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern und der eingereichten Bewerbung. In Nikosia zählt neben einem sehr hohen Notendurchschnitt (rund 90 Prozent im Abschlusszeugnis, mit guten Noten in Chemie und einem weiteren naturwissenschaftlichen Fach) vor allem ein persönliches Auswahlgespräch.
Sonderfall Wien: eigener Test, kein MedAT
Anders als die medizinischen Universitäten Österreichs nutzt die Vetmeduni Wien nicht den bekannten MedAT, sondern einen eigenen Eignungstest speziell für das Diplomstudium Veterinärmedizin. Der Test dauert rund 180 Minuten und prüft fachliches Wissen in mehreren Themenblöcken mit rund 80 Fragen im Best-Answer-Format. Die Konkurrenz ist beträchtlich: Auf etwa 1.300 Testteilnehmer:innen kommen jährlich rund 223 Studienplätze. Mehr dazu im Artikel Tiermedizin in Wien.
Sonderfall Schweiz: EMS und Numerus clausus
An der Vetsuisse-Fakultät (Zürich und Bern) gilt der Eignungstest für das Medizinstudium (EMS), derselbe Test, der auch für Human- und Zahnmedizin in der Schweiz eingesetzt wird. Registrierung und Testtermin sind streng terminiert, die Zahl der Studienplätze begrenzt. Für deutsche Bewerber:innen ohne Schweizer Wohnsitz oder familiäre Bindung ist der Zugang faktisch stark eingeschränkt. Details dazu findest du im Artikel Tiermedizin in der Schweiz.
Wie du dich vorbereitest
Egal welches Format: Grundlagenwissen in Biologie und Chemie auf Abiturniveau bildet fast überall die Basis. Für einen bestimmten Standort solltest du frühzeitig die offiziellen Musteraufgaben oder Prüfungsstoff-Übersichten der jeweiligen Universität durchgehen – Umfang und Schwerpunkt unterscheiden sich spürbar. Bei Interview-Verfahren wie in Breslau oder Nikosia lohnt es sich zusätzlich, die eigene Motivation klar formulieren zu können.
Fazit
Die Aufnahmeverfahren im europäischen Ausland sind vielfältiger, als der erste Blick vermuten lässt. Sie reichen von reiner Notenauswahl bis zu anspruchsvollen Eignungstests mit geringer Erfolgsquote wie in Wien. Kennst du die Unterschiede, kannst du gezielter planen, wo du dich bewirbst, und dich passend vorbereiten. Einen Überblick über die Kosten der einzelnen Standorte findest du im Artikel Kosten des Auslandsstudiums im Vergleich.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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