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Fachtierarzt-Weiterbildung

Zusatzbezeichnungen für Tierärzte

Porträt von Theresa VogtVon Theresa Vogt3 Min. Lesezeit
Symbolbild Plus-Zeichen – Zusatzbezeichnungen für Tierärzte

Das Wichtigste in Kürze

  • Zusatzbezeichnungen sind ein kürzerer, weniger umfangreicher Weiterbildungsweg als der volle Fachtierarzt-Titel. Im Berufsalltag werden sie manchmal auch „kleiner Fachtierarzt“ genannt.
  • Sie weisen zusätzlich erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten in einem enger gefassten Bereich nach, etwa Akupunktur, Verhaltenstherapie oder Zahnheilkunde.
  • Anders als beim Fachtierarzt sind meist keine Dissertation oder Publikationen erforderlich, die Weiterbildungszeit ist in der Regel kürzer.
  • Auch Zusatzbezeichnungen werden von der Landestierärztekammer verliehen und unterliegen ihrer jeweiligen Weiterbildungsordnung.

Alle Angaben entsprechen dem Stand von Juli 2026.

Was ist eine Zusatzbezeichnung?

Neben der vollwertigen Fachtierarzt-Gebietsbezeichnung kennt das deutsche Weiterbildungsrecht die sogenannte Zusatzbezeichnung. Sie weist zusätzlich erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten in einem enger begrenzten Bereich nach, etwa in Verhaltenstherapie, Akupunktur, Zahnheilkunde oder bestimmten diagnostischen Verfahren. Ein Fachtierarzt-Gebiet deckt den gesamten medizinischen Bereich einer Tierart oder Disziplin ab. Die Zusatzbezeichnung dagegen bezieht sich nur auf einen klar umrissenen Ausschnitt daraus.

Der Unterschied zum Fachtierarzt in der Praxis

Der wichtigste Unterschied liegt im Umfang der Weiterbildung. Eine Fachtierarzt-Weiterbildung dauert in der Regel vier bis fünf Jahre und setzt wissenschaftliche Leistungen wie eine Dissertation oder mehrere Publikationen voraus. Die Weiterbildung für eine Zusatzbezeichnung ist dagegen meist kürzer und weniger formal aufwendig, ein wissenschaftlicher Nachweis wird in der Regel nicht verlangt. Wegen dieses geringeren Umfangs wird die Zusatzbezeichnung in der Branche gelegentlich auch als „kleiner Fachtierarzt“ bezeichnet, auch wenn dieser Begriff kein offizieller Rechtsbegriff ist. Einen ausführlichen Vergleich der Anforderungen an eine vollständige Fachtierarzt-Weiterbildung liest du im Artikel Dauer und Ablauf der Fachtierarzt-Weiterbildung.

Welche Zusatzbezeichnungen gibt es?

Welche Zusatzbezeichnungen konkret anerkannt sind, legt wie beim Fachtierarzt jede Landestierärztekammer in ihrer eigenen Weiterbildungsordnung fest. Ein bundeseinheitliches, abschließendes Verzeichnis gibt es dafür nicht. In der Praxis finden sich unter anderem Zusatzbezeichnungen zu Verhaltenstherapie, Akupunktur und traditioneller chinesischer Medizin, Zahnheilkunde, Homöopathie oder bestimmten Labor- und Diagnostikverfahren. Interessiert man sich für eine bestimmte Richtung, lohnt sich die direkte Nachfrage bei der eigenen Kammer, welche Zusatzbezeichnungen dort aktuell möglich sind.

Wann lohnt sich eine Zusatzbezeichnung?

Eine Zusatzbezeichnung eignet sich vor allem für Tierärztinnen und Tierärzte, die ihr Praxisprofil gezielt um ein einzelnes Angebot erweitern möchten, ohne den vollen zeitlichen und wissenschaftlichen Aufwand einer Fachtierarzt-Weiterbildung zu tragen. Ergänzt eine Kleintierpraxis beispielsweise ein zusätzliches Angebot in Verhaltenstherapie oder Akupunktur, kommt man mit einer Zusatzbezeichnung oft schneller ans Ziel als mit einem vollständigen Fachtierarzt-Titel. Wie sich eine solche Spezialisierung auf das Gehalt auswirken kann, ordnet der Artikel Fachtierarzt-Gehalt grundsätzlich ein. Zusatzbezeichnungen sind darin nicht gesondert erfasst, wirken sich aber in der Regel geringer aus als ein voller Fachtierarzt-Titel.

Formaler Rahmen

Auch für Zusatzbezeichnungen gilt: Zuständig ist die Landestierärztekammer, bei der du Mitglied bist, maßgeblich ist ihre aktuelle Weiterbildungsordnung und nicht ein bundesweites Muster. Den allgemeinen rechtlichen Rahmen dazu erklärt der Artikel zur Weiterbildungsordnung.

Können sich Zusatzbezeichnung und Fachtierarzt ergänzen?

Zusatzbezeichnung und Fachtierarzt-Titel schließen sich nicht gegenseitig aus. In der Praxis erwerben viele Tierärztinnen und Tierärzte im Lauf ihrer Karriere mehrere Zusatzbezeichnungen, um ihr Praxisprofil breiter aufzustellen, ohne für jeden einzelnen Bereich eine vollständige Fachtierarzt-Weiterbildung zu durchlaufen. Auch die Kombination aus einem vollen Fachtierarzt-Titel und einer oder mehreren ergänzenden Zusatzbezeichnungen ist üblich, etwa ein Fachtierarzt für Kleintiere mit zusätzlicher Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie. So lässt sich die eigene Qualifikation schrittweise und je nach Praxisbedarf ausbauen.

Marketing-Effekt für die eigene Praxis

Neben dem fachlichen Nutzen hat eine Zusatzbezeichnung häufig auch einen sichtbaren Effekt nach außen. Sie lässt sich auf dem Praxisschild, der Website oder in Stellenanzeigen als klar kommunizierbares Zusatzangebot nutzen und hilft Patientenbesitzerinnen und -besitzern bei der Orientierung, welche Praxis für ein spezielles Anliegen die passende Anlaufstelle ist. Gerade in Regionen mit hoher Praxisdichte kann das ein spürbarer Standortvorteil sein, ohne dass dafür der vollständige Aufwand einer Fachtierarzt-Weiterbildung nötig wäre.

Zwischen Aufwand und Nutzen

Zusatzbezeichnungen sind eine schlankere Alternative zur vollen Fachtierarzt-Weiterbildung, mit der sich das eigene fachliche Profil gezielt erweitern lässt, ohne mehrere Jahre und eine wissenschaftliche Qualifikation investieren zu müssen. Bei der Wahl zwischen beiden Wegen lohnt sich die Frage, wie tief die eigene Spezialisierung tatsächlich gehen soll und wie viel Zeit dafür realistisch zur Verfügung steht.

Porträt von Theresa Vogt
Über die Autorin/den Autor

Theresa Vogt

Diplom-Biologin

Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.

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