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Tierarztberuf & Karrierewege

Tierarzt in der Pharma- und Futtermittelindustrie

Porträt von Marco LindnerVon Marco Lindner3 Min. Lesezeit
Symbolbild Pharmaindustrie – Labor und Medikamentenfläschchen

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Pharma- und Futtermittelindustrie arbeiten Tierärztinnen und Tierärzte oft nicht mehr am einzelnen Tier, sondern an Produkten, Studien und Zulassungen.
  • Typische Aufgabenfelder sind Produktentwicklung, klinische Studien, Zulassungsbegleitung und fachlicher Außendienst.
  • Der Arbeitsalltag ist planbarer als in der Praxis, dafür fehlt der direkte Patientenkontakt.
  • Für Tierärztinnen und Tierärzte mit Interesse an Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft bietet dieser Weg attraktive Perspektiven.

Wenn der Außendienst auf dem Hof steht

Bei uns auf dem Betrieb hatten wir schon öfter Besuch von Fachberatern, die für Futtermittel- oder Tiergesundheitsunternehmen arbeiten. Manche davon sind selbst approbierte Tierärztinnen oder Tierärzte. Sie beraten dann nicht in der akuten Behandlung, sondern zu Fütterungskonzepten, Impfprogrammen oder neuen Produkten. Dieser Kontakt hat mir einen Einblick in einen Berufsweg gegeben, der komplett anders aussieht als der klassische Praxisalltag.

Vom Patiententisch zum Schreibtisch

Wer in die Pharma- oder Futtermittelindustrie wechselt, verlässt in der Regel die direkte Behandlung einzelner Tiere. Stattdessen geht es um größere Fragestellungen: Wie wirkt ein neues Medikament in klinischen Studien? Wie muss ein Fütterungskonzept aussehen, damit es Nutztierbestände gesund und leistungsfähig hält? Welche Unterlagen braucht es, damit ein neues Präparat überhaupt zugelassen wird? Diese Aufgaben liegen näher an Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung als am Behandlungstisch.

Typische Einsatzbereiche

Innerhalb der Industrie gibt es mehrere klassische Rollen für Tierärztinnen und Tierärzte. In der Produktentwicklung und Forschung geht es darum, neue Medikamente oder Futtermittelzusätze zu konzipieren und zu testen. In der klinischen Forschung werden Studien geplant und begleitet, die für die Zulassung neuer Produkte notwendig sind. Im regulatorischen Bereich kümmern sich Tierärztinnen und Tierärzte um die oft komplexen Zulassungsverfahren bei den zuständigen Behörden. Und im fachlichen Außendienst geht es darum, Landwirte, Tierhalterinnen und Tierhalter oder auch Praxen fachlich zu beraten und Produkte zu erklären – ähnlich wie bei den Beraterinnen und Beratern, die bei uns auf dem Hof waren.

Ein anderer Rhythmus

Was mir an den Außendienstlern auffällt, mit denen wir zu tun haben: Ihr Arbeitsalltag ist deutlich planbarer als der einer Praktikerin oder eines Praktikers. Kein Notdienst, keine Anrufe mitten in der Nacht, dafür feste Termine, viel Büroarbeit und regelmäßige Reisen zwischen Kunden oder Unternehmensstandorten. Für alle, die den unregelmäßigen Rhythmus der Praxis irgendwann leid sind oder von vornherein einen strukturierteren Berufsweg suchen, kann das ein attraktiver Ausgleich sein. Gleichzeitig fehlt vielen aus diesem Bereich, wie sie selbst erzählen, irgendwann der direkte Kontakt zum einzelnen Tier und Patienten.

Der richtige Hintergrund

Für den Einstieg in die Industrie sind neben der tierärztlichen Ausbildung häufig zusätzliche Kenntnisse gefragt, etwa in Statistik, Studienplanung oder regulatorischen Anforderungen. Viele, die diesen Weg gehen, bringen bereits eine Promotion oder Erfahrung aus der Forschung mit. Wer sich dafür interessiert, sollte sich frühzeitig mit wissenschaftlichem Arbeiten vertraut machen, etwa im Rahmen der Promotion während oder nach dem Studium.

Vom Hoftierarzt zum Berater

Manche der Beraterinnen und Berater, die bei uns auf dem Hof waren, haben mir erzählt, dass sie vor dem Wechsel in die Industrie mehrere Jahre selbst in der Nutztierpraxis gearbeitet haben. Diese Praxiserfahrung ist in der Industrie oft ausdrücklich gefragt, weil sie hilft, die Bedürfnisse von Landwirtinnen, Landwirten und praktizierenden Kolleginnen und Kollegen realistisch einzuschätzen. Wer also mit dem Gedanken spielt, später in die Industrie zu wechseln, muss nicht zwingend direkt nach dem Studium dorthin. Ein Umweg über die praktische Tätigkeit kann sich sogar auszahlen und macht den späteren fachlichen Austausch mit Praxen glaubwürdiger.

Fazit

Die Pharma- und Futtermittelindustrie bietet Tierärztinnen und Tierärzten einen Berufsweg abseits des Behandlungstisches, mit planbaren Arbeitszeiten, aber auch ohne den direkten Tierkontakt, den viele ursprünglich ins Studium gebracht hat. Wie sich das finanziell auszahlt, zeigt der Artikel zum Gehalt in der Industrie. Wer stattdessen stärker in Richtung Wissenschaft will, findet mehr im Artikel zur Karriere in Forschung und Wissenschaft. Und wer sich generell fragt, ob Spezialisierung der richtige Weg ist, wird im Artikel Spezialisieren oder Allrounder bleiben? fündig.

Porträt von Marco Lindner
Über die Autorin/den Autor

Marco Lindner

Landwirt

Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.

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