Das Wichtigste in Kürze
- Ein Karriereweg in Forschung und Wissenschaft führt meist über eine Promotion an einer veterinärmedizinischen Fakultät oder einem Forschungsinstitut.
- Der Alltag besteht aus Laborarbeit, Datenauswertung und Publikationen, an der Universität kommt außerdem die Lehre hinzu.
- Wissenschaftliche Karrieren sind oft von befristeten Verträgen geprägt, bis eine feste Stelle erreicht wird.
- Wer Interesse an Grundlagenforschung oder angewandter Forschung hat, findet hier einen Weg abseits der klassischen Praxis.
Ein Blick hinter die Kulissen der Uni
Bei einer Bestandsuntersuchung erzählte mir einmal eine Bestandsbetreuerin, dass sie neben ihrer Praxistätigkeit noch an einer Studie zur Eutergesundheit mitarbeitet, die an einer veterinärmedizinischen Fakultät läuft. Solche Begegnungen zeigen: Neben der klassischen Praxis und dem Veterinäramt gibt es einen dritten großen Karriereweg für Tierärztinnen und Tierärzte – die Wissenschaft.
Von der Promotion zur Forschungslaufbahn
Der klassische Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere beginnt mit der Promotion, dem Dr. med. vet. Viele Tierärztinnen und Tierärzte schreiben ihre Doktorarbeit direkt im Anschluss ans Studium oder sogar parallel dazu, oft an einem universitären Institut oder in Zusammenarbeit mit einem Forschungszentrum. Wer nach der Promotion in der Wissenschaft bleiben möchte, kann als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Fakultät weiterarbeiten, eigene Forschungsprojekte entwickeln und sich schrittweise in Richtung einer eigenen Forschungsgruppe oder Professur entwickeln.
Alltag zwischen Labor, Daten und Lehre
Der Arbeitsalltag in der Forschung unterscheidet sich stark von der Praxis: Statt Patienten zu behandeln, geht es um Versuchsplanung, Laborarbeit, statistische Auswertung von Daten und das Verfassen wissenschaftlicher Publikationen. An Universitäten kommt häufig noch die Lehre dazu, also das Betreuen von Studierenden, das Halten von Vorlesungen oder Seminaren. Wer an einem Forschungsinstitut außerhalb der Universität arbeitet, etwa in der angewandten Tiergesundheitsforschung, hat dagegen oft mehr Bezug zu konkreten praktischen Fragestellungen aus Landwirtschaft oder Tierhaltung.
Ein Weg mit langem Atem
Was mir die Bestandsbetreuerin aus unserer Region erzählt hat: Eine wissenschaftliche Karriere verlangt Geduld. Viele Stellen in der Forschung sind zunächst befristet, an Drittmittelprojekte gebunden oder Teil eines Qualifizierungsweges, der erst nach Jahren in eine feste Stelle mündet. Wer diesen Weg einschlägt, sollte deshalb Freude an der wissenschaftlichen Fragestellung selbst mitbringen und nicht in erster Linie auf schnelle finanzielle Sicherheit setzen. Gleichzeitig bietet die Forschung die Möglichkeit, an Themen mitzuarbeiten, die später ganzen Tierpopulationen zugutekommen – von neuen Diagnoseverfahren bis zu verbesserten Impfstoffen.
Verbindung zur Industrie
Wissenschaftliche Karrieren enden nicht zwangsläufig an der Universität. Viele forschungsaffine Tierärztinnen und Tierärzte wechseln später in die Industrie, etwa in die Produktentwicklung eines Pharma- oder Tiergesundheitsunternehmens, wo ihre wissenschaftliche Erfahrung gefragt ist. Der Übergang zwischen akademischer Forschung und angewandter Industrieforschung ist in der Tiermedizin fließender, als man zunächst denkt.
Nähe zur Praxis bleibt wichtig
Was mir bei der Bestandsbetreuerin aus unserer Region besonders auffällt: Auch als Forscherin verliert sie den Bezug zur praktischen Arbeit nicht. Ihre Studie zur Eutergesundheit basiert direkt auf Daten von Betrieben wie unserem, und die Ergebnisse fließen später wieder in die Beratung der Praxis zurück. Diese Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis ist in der Tiermedizin oft enger, als man denkt. Viele Forschungsfragen entstehen erst aus konkreten Problemen, die in Ställen und Praxen auftauchen, und werden am Ende auch wieder dorthin zurückgetragen.
Forschung und Wissenschaft sind in der Tiermedizin damit ein Karriereweg mit viel intellektueller Freiheit, aber auch mit einer gewissen beruflichen Unsicherheit in den ersten Jahren. Wer diese Anfangsphase übersteht und sich fachlich einen Namen macht, kann am Ende Themen prägen, die weit über den Hörsaal oder das eigene Labor hinausreichen. Mehr zur Promotion selbst findest du im Artikel Promotion: Der Dr. med. vet.; wer eher in Richtung Industrie denkt, findet Orientierung im Artikel Tierarzt in der Pharma- und Futtermittelindustrie.
Marco Lindner
Landwirt
Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.
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