Das Wichtigste in Kürze
- Laut TVD-Gehaltsreport 2026 verdienten Tierärztinnen und Tierärzte in Tierkliniken im Schnitt rund 4.200 Euro brutto im Monat, etwas weniger als in der kurativen Praxis (rund 4.500 Euro).
- Universitätskliniken lagen mit rund 4.970 Euro deutlich darüber, vermutlich auch wegen des höheren Anteils an Fachtierärztinnen, Fachtierärzten und wissenschaftlichem Personal.
- Der Gehaltsvergleich sollte nicht isoliert betrachtet werden: Kliniken bringen andere Arbeitszeitmodelle, Schichtdienst und Fallkomplexität mit sich als die niedergelassene Praxis.
- In Kliniken finden sich für Karriereperspektiven und Spezialisierungsmöglichkeiten oft strukturiertere Aufstiegswege als in der Einzelpraxis.
Die folgenden Zahlen (Stand Juli 2026) stammen aus einer bundesweiten Gehaltsumfrage und bilden Durchschnitte ab.
Die Zahlen im Vergleich
Der TVD-Gehaltsreport 2026 erlaubt einen direkten Vergleich zwischen den wichtigsten Beschäftigungsformen:
| Arbeitsumfeld | Durchschnittsgehalt (ca., brutto/Monat) |
|---|---|
| Universitätsklinik | 4.970 Euro |
| Kurative Praxis (Durchschnitt) | 4.500 Euro |
| Tierklinik | 4.200 Euro |
Auf den ersten Blick überrascht, dass die niedergelassene Praxis im Schnitt etwas besser abschneidet als die Tierklinik. Eine mögliche Erklärung: In vielen Tierkliniken arbeiten überdurchschnittlich viele jüngere Tierärztinnen und Tierärzte, etwa im Rahmen eines Internships oder als Berufseinstieg mit Schichtdienst-Erfahrung, während in der niedergelassenen Praxis ein größerer Anteil erfahrener Tierärztinnen und Tierärzte mit entsprechend höherem Gehalt vertreten ist. Die Universitätsklinik sticht dagegen heraus. Das erklärt sich unter anderem mit dem höheren Anteil an Fachtierärztinnen, Fachtierärzten und wissenschaftlichem Personal. Mehr zum Gehaltseffekt der Spezialisierung steht im Ratgeber zum Fachtierarzt-Gehalt.
Was der Gehaltsvergleich nicht zeigt
Ein reiner Zahlenvergleich blendet wichtige Unterschiede in der Arbeitsrealität aus:
- Arbeitszeitmodell: Kliniken arbeiten häufig im Schichtsystem mit Nacht- und Wochenenddiensten, während die niedergelassene Praxis meist reguläre Öffnungszeiten hat. Mehr zur Notdienstorganisation im Ratgeber zum Notdienst.
- Fallkomplexität: In Kliniken landen häufiger komplizierte, überwiesene Fälle, die spezialisiertere Diagnostik und interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordern.
- Karrierestruktur: Größere Kliniken bieten oft klar definierte Karrierestufen und Weiterbildungsmöglichkeiten, während der Aufstieg in der Einzelpraxis stärker von der individuellen Situation abhängt. Ein Überblick zur Klinikkarriere findet sich im Ratgeber zur Karriere in der Tierklinik.
- Teamgröße: In Kliniken arbeitest du in größeren Teams mit mehr fachlichem Austausch, was für manche Berufseinsteigerinnen und -einsteiger ein wichtiger, nicht-monetärer Vorteil ist.
Wie du die Entscheidung angehen solltest
Das Gehalt sollte bei der Wahl zwischen Klinik und Praxis nur einer von mehreren Faktoren sein, nicht das alleinige Kriterium. Strukturierte Weiterbildung, fachlicher Austausch im Team und komplexe Fälle finden sich eher in der Klinik. Wer planbare Arbeitszeiten, engeren Kontakt zu Patientenbesitzerinnen und -besitzern und langfristige Betreuungsverhältnisse sucht, ist in der niedergelassenen Praxis oft besser aufgehoben. Auch die eigene Persönlichkeit spielt eine Rolle: Im großen Team mit klaren Zuständigkeiten kommt man in der Klinik meist besser zurecht, während die Eigenverantwortung und Vielseitigkeit der Einzelpraxis andere Stärken verlangt. Ein Praktikum oder eine Hospitanz in beiden Umfeldern vor der Bewerbung kann helfen, diese Präferenz besser einzuschätzen, bevor eine langfristige Entscheidung ansteht.
Notfallkliniken als Sonderfall
Innerhalb der Tierkliniken bilden reine Notfall- und Nacht-Kliniken noch einmal ein eigenes Segment. Wer dort arbeitet, übernimmt regelmäßig Nacht- und Wochenenddienste außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten. Diese Belastung schlägt sich vielerorts in Schichtzuschlägen oder höheren Stundensätzen nieder, auch wenn belastbare bundesweite Durchschnittswerte speziell für dieses Segment nicht separat ausgewiesen werden. Bei einer Stelle in einer solchen Klinik lohnt es sich, in der Verhandlung gezielt nach der konkreten Vergütung von Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten zu fragen, denn hier zeigen sich zwischen einzelnen Arbeitgebern erhebliche Unterschiede.
Beim reinen Durchschnittsgehalt liegt die kurative Praxis also knapp vor der Tierklinik, während Universitätskliniken deutlich darüber liegen. Dieser Effekt hängt stark mit Erfahrungsstufe und Spezialisierungsgrad der jeweils dort arbeitenden Tierärztinnen und Tierärzte zusammen. Für die persönliche Entscheidung zählen neben dem Gehalt vor allem Arbeitszeitmodell, Fallspektrum und Karriereperspektive.
Theresa Vogt
Diplom-Biologin
Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.
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