Das Wichtigste in Kürze
- Die erste Euthanasie im Praktikum oder in der Klinik ist für fast alle im Studium ein bewegender Moment – das ist normal, nicht ungewöhnlich.
- Es ist keine Schwäche, davon berührt zu sein. Es zeigt eher, dass dir die Tiere, um die es geht, wirklich wichtig sind.
- Mit Kolleg:innen, Betreuenden oder Freund:innen darüber zu reden, hilft fast immer mehr, als es allein mit sich auszumachen.
- Über die Zeit entwickelst du eine professionelle Haltung dazu, ohne dass dir das Thema egal wird.
Kaum ein Moment im Studium wird so unterschiedlich erlebt wie der erste Fall, bei dem ein Tier eingeschläfert wird. Mir hilft es am meisten, offen zu beschreiben, wie normal diese Konfrontation ist und wie du gut damit umgehen kannst.
Wann dir das zum ersten Mal begegnet
Meistens passiert das nicht im Hörsaal, sondern im klinischen Abschnitt oder in einem Praktikum in einer Praxis, oft eher zufällig als geplant. Du stehst dabei, weil gerade dein Tag ist, und merkst erst im Moment selbst, wie viel das mit dir macht. Bei mir war es in einem Praktikum, ganz unspektakulär im Ablauf, aber überhaupt nicht unspektakulär in dem, was danach in mir vorging. Genau das gehört zum Berufsbild dazu, und niemand erwartet von dir, dass dich das kalt lässt.
Warum Euthanasie Teil des Berufs ist
Für viele, die Tiermedizin studieren, ist der Wunsch zu helfen und zu heilen der eigentliche Antrieb. Dass der Beruf auch das andere Ende einschließt, das bewusste Beenden von Leiden, wird einem oft erst im Studium richtig klar. Aus fachlicher Sicht ist Euthanasie in vielen Fällen die verantwortungsvollste Entscheidung, die getroffen werden kann, wenn Leiden nicht mehr sinnvoll gelindert werden kann. Diese Perspektive hilft vielen von uns, den Moment nicht nur als Verlust zu sehen, sondern als letzten Akt der Fürsorge.
Es ist okay, berührt zu sein
Was mir am meisten geholfen hat: die Erkenntnis, dass Betroffenheit kein Zeichen von fehlender Eignung für diesen Beruf ist. Im Gegenteil, gerade die Menschen, die das am wenigsten kalt lässt, sind oft diejenigen, die später besonders sorgfältig und einfühlsam mit Tierhalter:innen umgehen. Es gibt keinen Grund, sich für Tränen oder einen Kloß im Hals zu schämen. Was nicht hilft, ist, diese Reaktion zu unterdrücken, als wäre sie unprofessionell.
Wie du gut damit umgehst
Ein paar Dinge haben sich bei mir und in meinem Umfeld bewährt. Direkt danach mit jemandem reden, der oder die dabei war oder ähnliche Momente kennt, entlastet oft mehr als stundenlanges Grübeln allein. Auch das Gespräch mit erfahrenen Tierärzt:innen ist wertvoll, weil sie diesen Moment schon oft erlebt haben und trotzdem noch mit Empathie dabei sind, das zeigt, dass beides zusammengeht. Wenn dich ein Fall besonders mitnimmt, ist das kein Grund, das kleinzureden. Manchmal hilft es auch einfach, sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen, bevor der nächste Termin beginnt.
Wenn es dich dauerhaft belastet
Die allermeisten von uns finden mit der Zeit einen Umgang, der trägt, ohne dass das Thema einen komplett auslaugt. Falls dich das Thema aber über längere Zeit stark belastet oder du merkst, dass du gar nicht mehr abschalten kannst, ist das ein Signal, sich Unterstützung zu holen, etwa über die psychologische Beratung deiner Hochschule. Das frühzeitig anzusprechen, ist genau die richtige Reaktion, keine übertriebene.
Fazit
Die erste Euthanasie im Studium ist für fast alle ein einschneidender Moment, und das darf sie auch sein. Sie zeigt dir, wie ernst dieser Beruf ist, und dass Fürsorge manchmal bedeutet, loszulassen. Wenn du darüber sprichst, statt es allein zu tragen, wirst du merken, dass du damit nicht allein bist – und dass sich daraus über die Zeit eine tragfähige, professionelle Haltung entwickeln lässt.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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