Das Wichtigste in Kürze
- Tiermedizin kannst du in Deutschland nur an fünf Standorten studieren: Berlin, Gießen, Hannover, Leipzig und München.
- Der Grund ist vor allem die enorme Kostenintensität der Ausbildung, mit eigenen Lehrkliniken für Klein-, Groß- und Pferdemedizin sowie laufendem Praxisbetrieb.
- Zusammen bieten die fünf Standorte ungefähr 1.000 bis 1.100 Studienplätze pro Jahr, deutlich weniger als die Nachfrage.
- Ein sechster Standort wird politisch diskutiert, ist aber bislang nirgends konkret beschlossen.
Wenn du dich fragst, warum ausgerechnet dein Traumstudienfach zu den am schärfsten limitierten in ganz Deutschland gehört, lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Es liegt nicht daran, dass zu wenige Leute Tiermedizin studieren wollen, im Gegenteil.
Fünf Standorte, ein enges Nadelöhr
Berlin, Gießen, Hannover, Leipzig und München, das war es. Anders als bei vielen anderen Studiengängen gibt es keine 30 oder 40 Universitäten, unter denen du wählen kannst, sondern genau fünf. Einen Gesamtvergleich der Standorte findest du im Artikel Berlin, Gießen, Hannover, Leipzig, München: Der Vergleich. Diese Konzentration auf so wenige Fakultäten ist der Hauptgrund dafür, dass der NC in Tiermedizin traditionell zu den härtesten in Deutschland gehört, ausführlich erklärt im Artikel NC Tiermedizin: Aktuelle Werte aller Standorte.
Warum die Ausbildung so teuer ist
Der Kern des Problems ist simpel: Tiermedizin lässt sich nicht im Hörsaal allein unterrichten. Jede tiermedizinische Fakultät braucht eigene Lehrkliniken für Klein-, Groß- und Pferdemedizin, in denen echte Patienten behandelt werden, oft rund um die Uhr, samt Notdienst. Dazu kommen Sezierräume, Labore, Ställe, spezialisiertes Personal für jede Tierart und eine ganze Infrastruktur, die weit über das hinausgeht, was ein normaler Studiengang braucht. Eine neue Fakultät aufzubauen bedeutet nicht, ein paar zusätzliche Hörsäle hinzustellen, sondern einen kompletten Klinikbetrieb mit entsprechendem Personal von Grund auf zu finanzieren, dauerhaft. Das treibt die Kosten pro Studienplatz in eine ganz andere Größenordnung als bei den meisten anderen Fächern.
Wer über neue Kapazitäten entscheidet
Bildung ist in Deutschland Ländersache. Das bedeutet: Ob ein neuer Studienplatz oder gar ein neuer Standort entsteht, entscheiden am Ende die Bundesländer und ihre Hochschulen, nicht der Bund. Für zusätzliche Plätze müsste ein Land bereit sein, dauerhaft in eine der teuersten Ausbildungen im gesamten Hochschulsystem zu investieren, während gleichzeitig andere Fächer um dieselben Mittel konkurrieren. Genau das erklärt, warum sich an der Zahl der Standorte seit Jahrzehnten kaum etwas bewegt hat, obwohl der Bedarf an Tierärztinnen und Tierärzten, gerade in der Nutztiermedizin, eher steigt als sinkt.
Die politische Debatte um mehr Plätze
Der Tierärztemangel, vor allem auf dem Land, sorgt seit einigen Jahren für politischen Druck, die Kapazitäten auszuweiten. Bayern ist mit der Landtierarztquote einen eigenen Weg gegangen, um gezielt mehr Nutztierärztinnen und -ärzte auszubilden, ohne dabei die Gesamtzahl der Studienplätze grundlegend zu erhöhen. Mehr dazu im Artikel Tiermedizin ohne NC: Die Landtierarztquote in Bayern. Ein grundsätzlich neuer, sechster Standort für ein komplettes Tiermedizinstudium wird in Fachkreisen und in der Politik zwar immer wieder diskutiert, ist aber, Stand jetzt, an keiner Universität konkret beschlossen oder terminiert. Wer sich also auf einen möglichen neuen Standort verlässt, plant mit einer Option, die es aktuell schlicht noch nicht gibt.
Was das für deine Bewerbung bedeutet
Die realistische Konsequenz aus der begrenzten Standortzahl: Du bewirbst dich mit einer riesigen Zahl anderer Interessierter auf sehr wenige Plätze, und das wird sich kurzfristig nicht ändern. Umso wichtiger ist es, alle legalen Wege zum Studienplatz zu kennen und realistisch einzuschätzen, statt nur auf die eine, klassische Bewerbung über die Abiturnote zu setzen. Einen Überblick über Alternativen findest du im Hub-Artikel Tiermedizin studieren in Deutschland sowie im Ratgeber Tiermedizin Deutschland. Wer sich zusätzlich ein Auslandsstudium offenhält, findet einen Einstieg im Hub Tiermedizin im Ausland studieren.
Fazit
Fünf Standorte für ein ganzes Land klingen erstmal wenig, ergeben aber Sinn, wenn man versteht, wie teuer und aufwendig eine tiermedizinische Fakultät mit eigenem Klinikbetrieb tatsächlich ist. Kurz- bis mittelfristig wird sich an dieser Zahl vermutlich wenig ändern, auch wenn einzelne Modelle wie die bayerische Landtierarztquote versuchen, den akuten Mangel gezielt zu lindern. Für deine Bewerbung heißt das vor allem eines: realistisch planen, alle Wege kennen und sich nicht auf einen sechsten Standort verlassen, den es bislang nicht gibt.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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