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Gehalt

Gender Pay Gap in der Tiermedizin: Woran liegt das?

Porträt von Theresa VogtVon Theresa Vogt3 Min. Lesezeit
Symbolbild Waage mit Euro-Zeichen – Gender Pay Gap in der Tiermedizin

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Frauenanteil unter approbierten Tierärztinnen und Tierärzten liegt laut Bundestierärztekammer (BTK) seit Jahren bei weit über zwei Dritteln, unter den Berufseinsteigerinnen und -einsteigern tendenziell noch höher.
  • Trotzdem verdienen Frauen im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen, das legen Kammerstatistiken und berufsständische Befragungen, etwa von Bundestierärztekammer und bpt, nahe.
  • Strukturelle Erklärungsansätze sind vor allem die höhere Teilzeitquote von Frauen, Unterschiede bei Fachrichtungs- und Positionswahl, Verhandlungsverhalten und die ungleich verteilte Care-Arbeit.
  • Belastbare, aktuelle und bundesweit einheitliche Zahlen zum Gehaltsunterschied in der Tiermedizin sind rar; viele Aussagen stützen sich auf regionale oder nicht repräsentative Erhebungen.

Der Tierarztberuf ist ein Sonderfall unter den akademischen Heilberufen: Kaum eine andere Branche mit vergleichbarem Qualifikationsniveau ist so stark weiblich geprägt und weist gleichzeitig einen so deutlichen Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern auf. Dieser Artikel ordnet ein, was über den Gender Pay Gap in der Tiermedizin bekannt ist und welche strukturellen Faktoren dabei eine Rolle spielen, ohne einzelnen Akteuren pauschal Absicht zu unterstellen.

Ein Beruf im Wandel: hoher Frauenanteil

Die Feminisierung des Tierarztberufs ist ein langfristiger Trend, der sich über Jahrzehnte vollzogen hat. Waren approbierte Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland noch bis in die 1980er Jahre überwiegend männlich, hat sich das Verhältnis inzwischen umgekehrt: Unter den Studienanfängerinnen und -anfängern an den deutschen tiermedizinischen Fakultäten liegt der Frauenanteil laut Angaben der Hochschulen und der Bundestierärztekammer schon seit Langem bei einem sehr hohen Anteil. Das prägt zunehmend auch die Altersstruktur der Berufsangehörigen.

Was Kammerstatistiken und Studien zeigen, und was nicht

Die Landestierärztekammern erheben regelmäßig Strukturdaten zu ihren Mitgliedern, meist zu Altersstruktur, Tätigkeitsfeld und Anstellungsverhältnis. Ein bundesweit einheitlicher, jährlich fortgeschriebener Gehaltsvergleich nach Geschlecht existiert daraus aber nicht ohne Weiteres. Hinweise auf einen Gehaltsunterschied liefern eher punktuelle Erhebungen, etwa berufsständische Befragungen oder Studien mit Bezug zur tierärztlichen Berufsrealität. Ein Vergleich mit der Humanmedizin und anderen Gesundheitsberufen, wo der Gender Pay Gap ebenfalls dokumentiert ist, zeigt zumindest, dass das Phänomen kein Einzelfall der Tiermedizin ist. Für belastbare, aktuelle Zahlen speziell für den Tierarztberuf lohnt sich der direkte Blick in die jeweils neuesten Veröffentlichungen der Bundestierärztekammer.

Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen als Faktor

Ein wesentlicher struktureller Treiber ist die Teilzeitquote. Frauen arbeiten in der Tiermedizin, ähnlich wie in vielen anderen Branchen, deutlich häufiger in Teilzeit als Männer, oft im Zusammenhang mit Elternzeit und anschließender Familienphase. Wie sich das konkret organisieren lässt, beleuchtet der Artikel zur Weiterbildung in Teilzeit. Reduzierte Stunden wirken sich nicht nur auf das Monatsgehalt aus, sondern mittelfristig auch auf Erfahrungsjahre, Aufstiegschancen und die Position, in der jemand nach der Familienphase wieder einsteigt.

Fachrichtung und Position: Wer landet wo?

Auch die Verteilung auf Tätigkeitsfelder ist nicht geschlechtsneutral. Frauen sind in der Kleintierpraxis überproportional vertreten, während bestimmte tendenziell besser vergütete Bereiche wie Großtier- und Nutztierpraxis, bestimmte Industriepositionen oder Leitungsfunktionen in Kliniken nach wie vor häufiger von Männern besetzt sind. Auch der Anteil der Praxisinhaberinnen liegt gemessen am Frauenanteil im Beruf insgesamt niedriger. Wie sich Gehalt über eine Karriere hinweg grundsätzlich entwickelt, zeigt der Artikel zur Gehaltsentwicklung im Berufsverlauf.

Verhandlungsverhalten als oft unterschätzter Hebel

Neben strukturellen Faktoren spielt auch das individuelle Verhandlungsverhalten eine Rolle, auf die verschiedene arbeitsmarktbezogene Studien branchenübergreifend hinweisen: Frauen verhandeln Gehälter im Schnitt tendenziell zurückhaltender als Männer. In einer Branche ohne einheitlichen Flächentarifvertrag für die Praxis, in der das Einstiegsgehalt individuell ausgehandelt wird, kann sich dieser Unterschied über Jahre hinweg deutlich aufsummieren.

Fazit

Der Gender Pay Gap in der Tiermedizin lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Teilzeitquote, Fachrichtungs- und Positionswahl, Verhandlungsverhalten und einer nach wie vor ungleich verteilten Care-Arbeit. Belastbare, aktuelle Zahlen speziell für den Tierarztberuf sind rar, was eine seriöse Einordnung erschwert. Willst du dich in deiner eigenen Karriereplanung nicht auf Durchschnittswerte verlassen, lohnt sich ein Einstieg im Ratgeber Tierarzt-Gehalt sowie im Grundlagenartikel zum Tierarzt-Gehalt.

Porträt von Theresa Vogt
Über die Autorin/den Autor

Theresa Vogt

Diplom-Biologin

Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.

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