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Was macht ein...?

Was macht ein Wildtierarzt?

Porträt von Marco LindnerVon Marco Lindner3 Min. Lesezeit
Symbolbild Baum und Pfotenabdrücke – Wildtierarzt

Das Wichtigste in Kürze

  • Wildtierärztinnen und Wildtierärzte versorgen verletzte Wildtiere und überwachen Wildtierpopulationen, unter anderem im Hinblick auf Tierseuchen.
  • Das Fachtierarzt-Gebiet Wildtiere und Artenschutz ist eigenständig geregelt, mit engem Bezug zum verwandten Gebiet Zoo- und Gehegetiere.
  • Der Arbeitsort reicht vom Wald über Auffangstationen bis zum Labor für Seuchendiagnostik.
  • Zum Verdienst gibt der Ratgeber zum Fachtierarzt-Gehalt eine allgemeine Einordnung.

Wer hier arbeitet

Wildschweine sind für uns Landwirte kein romantisches Thema, sondern spätestens seit der Afrikanischen Schweinepest eine echte Sorge. Ein Ausbruch in der Wildschweinpopulation kann massive Folgen für benachbarte Betriebe haben. Genau an dieser Schnittstelle wird die Arbeit von Wildtierärztinnen und Wildtierärzten für mich als Landwirt konkret greifbar. Was in den Medien oft nur als abstrakte Zahl auftaucht, bedeutet für einen betroffenen Betrieb im Ernstfall wochenlange Einschränkungen, und die fachliche Einschätzung der Lage entscheidet mit darüber, wie schnell wieder Normalität einkehrt.

Aufgaben im Überblick

Das Fachgebiet ist breiter, als der Name zunächst vermuten lässt:

  • Versorgung verletzter Wildtiere: von Wildunfällen bis zu Auffangstationen für kranke oder verwaiste Tiere
  • Populationsmanagement: die fachliche Einschätzung des Gesundheitszustands ganzer Wildtierbestände
  • Seuchenüberwachung: die Beobachtung und Eindämmung von Krankheiten wie der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen
  • Zusammenarbeit mit Jägern und Behörden: etwa bei der Beprobung erlegter Tiere
  • Forschung: zu Krankheiten und Lebensbedingungen wildlebender Tiere

Ein Einsatz beginnt dabei selten planbar. Ein gemeldetes verletztes Reh am Straßenrand, ein Verdachtsfall bei erlegten Wildschweinen oder ein ungewöhnliches Verendungsmuster in einem Revier: Wildtierärztinnen und Wildtierärzte müssen kurzfristig einschätzen, wie dringend ein Fall ist und ob er über das Einzeltier hinaus relevant sein könnte. Diese Unplanbarkeit unterscheidet den Berufsalltag deutlich von der terminierten Sprechstunde einer klassischen Praxis.

Arbeitsorte: Wald, Auffangstation und Labor

Die Arbeit findet an sehr unterschiedlichen Orten statt: direkt im Gelände bei akuten Einsätzen, in Auffangstationen bei der Nachsorge und im Labor bei der Seuchendiagnostik. Eng verwandt ist das Fachtierarzt-Gebiet Zoo- und Gehegetiere, weshalb sich die Arbeitsbereiche in der Praxis oft überschneiden. Interessierst du dich stärker für die klassische Zootiermedizin, findest du ergänzende Inhalte im Ratgeber Zootierarzt: Traumjob mit wenigen Stellen.

Der Weg zum Wildtierarzt

Nach Studium und Staatsexamen folgt die mehrjährige Fachtierarzt-Weiterbildung im Gebiet Wildtiere und Artenschutz, geregelt durch die Landestierärztekammern. Mehr zum allgemeinen Ablauf einer Weiterbildung steht im Ratgeber Fachtierarzt werden. Interessierst du dich generell für Forschung, findest du ergänzende Inhalte im Ratgeber Karriereweg Forschung & Wissenschaft.

Was den Beruf besonders macht

Als Landwirt fällt mir an diesem Fachgebiet besonders auf: Hier geht es selten um ein einzelnes Tier, sondern um das Gleichgewicht zwischen Wildtierbeständen, Landwirtschaft und Naturschutz. In diesem Spannungsfeld müssen Wildtierärztinnen und Wildtierärzte oft zwischen verschiedenen Interessen vermitteln. Die Arbeit findet zudem häufig unter freiem Himmel statt, bei jedem Wetter und oft mit wenig planbaren Einsätzen.

Zusätzlich beschäftigt mich an diesem Fachgebiet: Anders als in der Nutztiermedizin gibt es bei Wildtieren keinen Betrieb, der die Kosten einer Behandlung trägt, und oft auch keinen einzelnen verantwortlichen Halter. Entscheidungen, etwa ob ein schwer verletztes Wildtier behandelt oder eingeschläfert wird, müssen deshalb allein nach fachlicher und ethischer Abwägung getroffen werden. Diese Verantwortung ohne einen klaren Auftraggeber im Rücken unterscheidet den Beruf spürbar von der klassischen Praxis. Für manche macht gerade diese Eigenständigkeit den Beruf besonders reizvoll, für andere ist sie genau der Grund, warum er nicht zu ihnen passt.

Unterm Strich

Die Arbeit als Wildtierärztin oder Wildtierarzt ist geprägt von Feldarbeit, Verantwortung für ganze Populationen und einer engen Verbindung zu Naturschutz und Landwirtschaft. Zwischen Wald, Labor und Politik entsteht so eine seltene, aber besonders vielseitige Nische. Arbeitest du gerne draußen, hältst du Unplanbarkeit aus, und kannst du dir vorstellen, zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu vermitteln? Dann ist dieser seltene Berufsweg vielleicht genau richtig für dich.

Porträt von Marco Lindner
Über die Autorin/den Autor

Marco Lindner

Landwirt

Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.

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