Das Wichtigste in Kürze
- Vegetarisch oder vegan zu leben und Tiermedizin zu studieren ist im Studienalltag kein Widerspruch. Für viele ist die eigene Ernährungsweise sogar Teil der Motivation für den Beruf.
- Das Pflichtpraktikum im Schlachthof ist für manche Studierende ein schwieriger, aber lehrreicher Moment, unabhängig davon, wie man sich selbst ernährt.
- Im Studium geht es nicht darum, Tierhaltung oder Nutztiermedizin gutzuheißen. Es geht darum, sie zu verstehen, um später Tierwohl aktiv verbessern zu können.
- Ein bewusster Umgang mit der eigenen Haltung, ohne Verdrängung und ohne Dogma, hilft dir, gut durchs Studium zu kommen.
Die Frage kommt öfter, als man denkt: Wie passt es zusammen, Tiere zu lieben, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, und gleichzeitig ein Studium zu durchlaufen, in dem Nutztiermedizin und ein Schlachthofpraktikum ganz selbstverständlich dazugehören? Ich will hier nicht moralisieren, sondern einfach beschreiben, wie sich das bei uns im Studienalltag anfühlt. (Stand: Juli 2026.)
Kein Widerspruch, sondern oft ein Teil der Motivation
Unter Tiermedizinstudierenden leben tatsächlich einige vegetarisch oder vegan. Das ist bei uns im Hörsaal und in der Klinik nichts Besonderes und wird auch nicht groß thematisiert. Für viele ist die eigene Ernährungsweise sogar eng verknüpft mit dem Grund, warum sie dieses Studium überhaupt gewählt haben: der Wunsch, das Wohlergehen von Tieren zu verbessern, ob als Kleintierärztin, in der Nutztierpraxis, in der Forschung oder im Bereich Tierschutz und Amtsveterinärwesen. Tiermedizin zu studieren bedeutet nicht, Massentierhaltung oder industrielle Nutzung von Tieren gutzuheißen. Es bedeutet, die Systeme zu verstehen, in denen Tiere gehalten werden, um innerhalb dieser Systeme, oder an ihren Grenzen, etwas verändern zu können.
Warum Nutztiermedizin trotzdem zum Studium gehört
Ob du später in der Kleintierpraxis, der Pferdemedizin oder gar nicht klinisch arbeiten willst: Nutztiermedizin ist ein Pflichtteil des Studiums, und das aus gutem Grund. Will man als approbierte Tierärztin oder approbierter Tierarzt später etwa im Bereich Tierschutzkontrolle, Lebensmittelsicherheit oder Bestandsbetreuung arbeiten, braucht man fundiertes Wissen über Rind, Schwein, Geflügel und Co. Aber auch wenn du dich später komplett auf Kleintiere spezialisierst, hilft dir das Verständnis für Nutztierhaltung, das große Ganze der Tiermedizin einzuordnen. Mehr zum gesamten Ablauf und den einzelnen Studienabschnitten findest du in unserem Grundlagenartikel zum Tiermedizinstudium.
Das Schlachthofpraktikum: schwierig, aber lehrreich
Ein Punkt, an dem viele ins Nachdenken kommen, ist das Schlachthofpraktikum. Es gehört zu den Pflichtpraktika im Studium und vermittelt Grundlagen der Fleischhygiene und amtlichen Lebensmittelüberwachung, ein Bereich, in dem später approbierte Tierärztinnen und Tierärzte als amtliche Kontrolleure tätig sein können, um Tierschutz- und Hygienestandards durchzusetzen. Für manche Studierende, gerade wenn sie sich bewusst gegen Fleischkonsum entschieden haben, ist dieses Praktikum emotional keine leichte Sache. Ich will das nicht kleinreden. Gleichzeitig berichten viele im Nachhinein, dass genau dieser Einblick wichtig war, weil er zeigt, wo im System Kontrolle stattfindet, wo sie fehlt und warum es Tierärztinnen und Tierärzte braucht, die genau hinschauen. Es ist ein Pflichttermin, kein Bekenntnis zu einer bestimmten Haltung gegenüber Fleischkonsum.
Umgang mit der eigenen Belastung
Wenn dich bestimmte Praxisphasen emotional stärker mitnehmen als andere, bist du damit nicht allein, und das ist auch kein Zeichen dafür, dass du im falschen Studium bist. Es hilft, sich vorher mit anderen auszutauschen, die das schon hinter sich haben, und sich bewusst zu machen, dass ein einzelnes Praktikum nicht deinen gesamten künftigen Berufsweg festlegt. Wie du generell mit Belastungsphasen im Studium umgehen kannst, haben wir ausführlicher in unserem Artikel zur psychischen Belastung im Tiermedizinstudium gesammelt.
Fazit
Vegetarisch oder vegan zu leben und Tiermedizin zu studieren schließt sich nicht aus. Für viele gehört beides sogar zusammen. Das Pflichtprogramm des Studiums, inklusive Nutztiermedizin und Schlachthofpraktikum, fordert dich dabei manchmal heraus. Es widerspricht der eigenen Motivation aber nicht, sondern erweitert das Verständnis dafür, wo man später ansetzen kann, um für Tiere etwas zu bewirken.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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