Das Wichtigste in Kürze
- Tierwissenschaften (Animal Science) gibt es in Deutschland aktuell vor allem als Masterstudiengang, aufbauend auf einem Bachelor in Agrarwissenschaften oder einem verwandten Fach.
- Die Universität Bonn bietet einen eigenen Master of Science Animal Sciences; wer dort Agrarwissenschaften im Bachelor studiert, kann ab dem fünften Semester einen Schwerpunkt Tierwissenschaften wählen.
- Die Universität Kiel bietet einen Master Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Tierwissenschaften, teils ergänzt um ein Zertifikat Milchproduktion.
- Berufsfelder liegen in Tierzucht, Tierernährung, landwirtschaftlicher Forschung und der Futtermittel- und Zuchtindustrie – nicht in der klinischen tierärztlichen Behandlung.
Studienaufbau und Zulassungsvoraussetzungen unterscheiden sich je Hochschule (Stand Juli 2026); für verbindliche Angaben empfiehlt sich die jeweilige Fakultätsseite.
Wie Tierwissenschaften in Deutschland aufgebaut ist
Anders als in manchen englischsprachigen Ländern, wo „Animal Science“ häufig als eigenständiger grundständiger Studiengang existiert, ist Tierwissenschaften in Deutschland überwiegend in die Agrarwissenschaften eingebettet. An der Universität Bonn etwa können Studierende der Agrarwissenschaften ab dem fünften Semester einen Schwerpunkt Tierwissenschaften wählen und daran anschließend den spezialisierten Master of Science Animal Sciences studieren. An der Universität Kiel führt der Weg über einen Master Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Tierwissenschaften, der sich unter anderem mit einem Zertifikat im Bereich Milchproduktion verbinden lässt. Wer sich für Tierwissenschaften interessiert, sollte also von vornherein einplanen, zunächst einen agrarwissenschaftlichen Bachelor zu absolvieren.
Inhalte: Zucht, Ernährung, Physiologie – wissenschaftlich statt klinisch
Im Zentrum der Tierwissenschaften stehen die biologischen und wirtschaftlichen Grundlagen der Nutztierhaltung: Genetik und Zuchtplanung, Tierernährung, Physiologie, Haltungssysteme und zunehmend auch Fragen von Tierwohl und Nachhaltigkeit in der Tierhaltung. Das unterscheidet den Studiengang deutlich von der Tiermedizin: Es geht um das Verständnis und die Optimierung von Tierpopulationen und -systemen, nicht um Diagnose und Behandlung des einzelnen kranken Tieres. Wer klinisch arbeiten möchte, braucht dafür weiterhin eine tierärztliche Approbation.
Ein weiterer Unterschied zur Tiermedizin liegt im methodischen Zugang: Tierwissenschaften arbeiten stark quantitativ und datenbasiert, Zuchtwertschätzung, Fütterungsversuche und die statistische Auswertung großer Herdendaten spielen eine zentrale Rolle. Wer Freude an naturwissenschaftlicher Forschung mit Tierbezug hat, aber eher analytisch als klinisch-praktisch veranlagt ist, findet hier ein Berufsfeld, das diese Stärken direkt nutzt, statt sie in einem primär klinisch ausgerichteten Studium wie der Tiermedizin nur am Rande zu berühren.
Berufsfelder nach dem Abschluss
Absolventinnen und Absolventen der Tierwissenschaften finden Beschäftigung in der Tierzucht und Zuchtorganisationen, in der Futtermittelindustrie, in landwirtschaftlicher und veterinärnaher Forschung, in Beratung und Verbänden sowie in international tätigen Agrarunternehmen. Der Studiengang ist damit eher wirtschafts- und forschungsnah ausgerichtet als praktisch-klinisch. Nach dem Master eröffnet sich an den Instituten für Tierwissenschaften vielfach auch die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Laufbahn mit eigener Forschungsschwerpunktbildung, etwa in Genetik, Fütterung oder Tierwohlforschung. Wer zusätzlich eine engere Verbindung zum Pferd sucht, findet mit den Pferdewissenschaften einen thematisch verwandten, spezialisierten Master.
Einordnung gegenüber Tiermedizin und Ausland
Bei Tierwissenschaften lohnt sich Realismus für alle, die eigentlich Tiermedizin studieren wollten: Der Studiengang öffnet keine klinische Laufbahn, sondern ein Berufsfeld in Zucht, Ernährung und Forschung. Wer den tierärztlichen Weg nicht aufgeben möchte, findet in einem Tiermedizinstudium im Ausland häufig die direktere Option, weil dort die Zulassungshürden oft anders liegen als in Deutschland. Als bewusst überbrückender Weg lässt sich Tierwissenschaften ebenfalls planen, passende Überlegungen dazu liefert der Artikel Plan B mit Rückkehroption. Einen vollständigen Überblick über alle Alternativen bietet der Hub-Artikel.
Fazit
Tierwissenschaften ist ein wissenschaftlich anspruchsvolles, forschungsnahes Studienfeld für alle, die sich für Zucht, Ernährung und Physiologie von Tieren interessieren, meist als Master im Anschluss an ein agrarwissenschaftliches Bachelorstudium. Als Ersatz für die klinische tierärztliche Tätigkeit taugt der Weg nicht, als eigenständige Karriereoption in Forschung und Industrie dagegen sehr wohl. Wer sich frühzeitig für diesen Pfad entscheidet, sollte bereits die Wahl des Bachelorstudiengangs entsprechend ausrichten, mit Blick auf Module, die später den Zugang zum gewünschten Master erleichtern.
Theresa Vogt
Diplom-Biologin
Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.
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