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Alternativen

Pferdewissenschaften: Studium rund ums Pferd

Porträt von Theresa VogtVon Theresa Vogt3 Min. Lesezeit
Symbolbild Pferdekopf – Pferdewissenschaften als Alternative zur Tiermedizin

Das Wichtigste in Kürze

  • Pferdewissenschaften ist in Deutschland vor allem als Masterstudiengang etabliert: Die Universität Göttingen bietet ihn seit 2006 in Kooperation mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung an.
  • Der Göttinger Master dauert vier Semester und setzt einen einschlägigen Bachelorabschluss voraus, etwa in Agrarwissenschaften oder einem verwandten Fach.
  • Der frühere Wiener Bachelorstudiengang Pferdewissenschaften (Vetmeduni/BOKU) nimmt seit dem Wintersemester 2021/22 keine neuen Studierenden mehr auf und wird ausschleichend beendet.
  • Pferdewissenschaften ist kein Ersatz für ein Tiermedizinstudium: Klinische Behandlung, Diagnose und tierärztliche Eingriffe am Pferd bleiben approbierten Tierärztinnen und Tierärzten vorbehalten.

Für aktuelle Zulassungsdetails empfiehlt sich der direkte Blick auf die Seite der Universität Göttingen (Stand: Juli 2026).

Der Göttinger Master: Aufbau und Kooperationen

Der Masterstudiengang Pferdewissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen ist in dieser Form einzigartig in Europa. Möglich wird das durch die enge Zusammenarbeit der Fakultät für Agrarwissenschaften mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Der Studiengang dauert vier Semester und schließt mit dem Master of Science ab. Voraussetzung ist ein bereits abgeschlossener Bachelor in einem verwandten Fach: Häufig kommen Bewerberinnen und Bewerber aus den Agrarwissenschaften oder aus Nutztierwissenschaften, teils auch aus der Biologie. Inhaltlich verbindet der Studiengang Themen wie Pferdehaltung, -zucht und -ernährung mit betriebswirtschaftlichen und sportwissenschaftlichen Aspekten rund um den Pferdesport.

Der Wiener Bachelor: ausgelaufen

Bis vor einigen Jahren gab es an der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Kooperation mit der BOKU Wien einen eigenen Bachelorstudiengang Pferdewissenschaften, der veterinärmedizinische Grundlagen mit agrarwissenschaftlichen Inhalten wie Weidemanagement, Betriebswirtschaft und Recht kombinierte. Seit dem Wintersemester 2021/22 werden dort keine neuen Studierenden mehr aufgenommen, der Studiengang wird ausschleichend beendet. Wer heute nach einem Pferdewissenschaften-Studium sucht, sollte diesen Stand kennen: Veraltete Informationen zu Wien helfen nicht weiter, aktuell ist der Göttinger Master der etablierte Weg im deutschsprachigen Raum.

Dieser Wandel zeigt auch etwas Grundsätzliches über spezialisierte Studiengänge dieser Art: Sie sind oft klein, personell an wenige Standorte gebunden und können sich mit der Zeit verändern oder auslaufen. Bei Interesse an einem solchen Nischenstudiengang lohnt sich deshalb vor einer Bewerbung immer die Prüfung der aktuellen Zulassungssituation direkt bei der Hochschule, statt sich auf ältere Ratgeber oder Foreneinträge zu verlassen.

Was Pferdewissenschaften ist – und was nicht

Wichtig für die Einordnung: Pferdewissenschaften ist agrar- und wirtschaftswissenschaftlich geprägt, kein tiermedizinischer Studiengang, auch wenn der Pferdefokus das auf den ersten Blick nahelegt. Interessiert die klinische Behandlung von Pferden (Diagnostik, Chirurgie, innere Medizin), braucht es weiterhin die tierärztliche Approbation und damit ein vollständiges Tiermedizinstudium, gegebenenfalls mit anschließender Spezialisierung. Einen Eindruck davon, wie sich das Gehalt in diesem spezialisierten tierärztlichen Feld entwickelt, gibt der Artikel zum Pferdetierarzt-Gehalt. Pferdewissenschaften richtet sich dagegen an alle, die eher im Bereich Zucht, Haltung, Betriebsführung, Beratung oder Wissenschaft rund um das Pferd arbeiten möchten, etwa in Gestüten, Zuchtverbänden, dem organisierten Pferdesport oder der landwirtschaftlichen Beratung.

Für wen sich der Weg eignet

Pferdewissenschaften passt zu Menschen mit einer klaren fachlichen Vorbildung und einer ausgeprägten Affinität zum Pferd, die aber nicht zwingend den klinischen, tierärztlichen Weg gehen wollen oder können. Da der Studiengang einen Bachelorabschluss voraussetzt, eignet er sich eher als zweiter Schritt nach einem grundständigen Studium denn als direkter Ersatz für einen abgelehnten Tiermedizin-Studienplatz direkt nach dem Abitur. Wer stattdessen den direkten tierärztlichen Weg zum Pferd weiterverfolgen will, findet in einem Tiermedizinstudium im Ausland oft die realistischere Option. Für alle, die sich bewusst eine Rückkehroption offenhalten wollen, lohnt sich der Artikel Plan B mit Rückkehroption; einen Gesamtüberblick liefert der Hub-Artikel zu Alternativen zum Tiermedizinstudium.

Fazit

Pferdewissenschaften ist ein spezialisiertes, wissenschaftlich anspruchsvolles Studium mit eigenem Profil zwischen Agrarwissenschaft, Betriebswirtschaft und Pferdesport, aktuell vor allem als Göttinger Master etabliert. Klinisch mit Pferden arbeiten kann man damit nicht, dafür bleibt ein vollständiges Tiermedizinstudium nötig. Wer dagegen die wissenschaftliche und wirtschaftliche Seite des Pferdes im Blick hat, findet hier einen eigenständigen, seriösen Weg.

Porträt von Theresa Vogt
Über die Autorin/den Autor

Theresa Vogt

Diplom-Biologin

Theresa ist Diplom-Biologin und hat den Weg in die Tiermedizin einst selbst abgewogen. Heute recherchiert sie für tiermedizinstudium.eu die Zahlen hinter dem Beruf: Gehälter, Weiterbildungswege und die ehrliche Antwort auf die Frage, welche Alternativen wirklich tragen.

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