Das Wichtigste in Kürze
- Für Bewerberinnen und Bewerber mit abgeschlossenem Erststudium gibt es im NC-Verfahren eine eigene Zweitstudienquote.
- Details zu Voraussetzungen und Ablauf dieser Quote findest du im eigenen Artikel zur Zweitstudienquote.
- Ein naturwissenschaftliches Erststudium kann dir inhaltlich einen echten Vorteil verschaffen.
- Finanzierung ist beim Zweitstudium oft schwieriger, weil ein BAföG-Anspruch in der Regel nicht mehr besteht.
- Trotz höherer Hürden ist der Quereinstieg für viele ein bewusster, gut überlegter Schritt.
Immer wieder schreiben mir Leute, die schon ein Studium abgeschlossen haben und trotzdem, oder gerade deshalb, Tiermedizin studieren wollen. Hier ordne ich ein, worauf es beim Zweitstudium ankommt (Stand: Juli 2026).
Was ein Zweitstudium überhaupt bedeutet
Als Zweitstudium gilt ein Studiengang, den du beginnst, nachdem du bereits ein Studium erfolgreich abgeschlossen hast, egal ob Bachelor, Diplom oder Staatsexamen in einem anderen Fach. Für Tiermedizin ist das relevant, weil es im zentralen NC-Verfahren über hochschulstart.de eine eigene Zweitstudienquote gibt, über die ein kleiner Teil der Studienplätze vergeben wird. Wie genau diese Quote funktioniert, welche Kriterien dabei zählen und wie du deine Chancen realistisch einschätzt, erkläre ich ausführlich im Artikel zur Zweitstudienquote. An dieser Stelle nur so viel: Es ist ein eigener, separater Weg neben Abiturbestenquote, ZEQ und AdH. Wer bereits einen Abschluss hat, sollte ihn sich anschauen.
Willst du grundsätzlich verstehen, wie hart die Zulassung zu Tiermedizin insgesamt ist, hilft dir zusätzlich der Artikel zum Numerus Clausus für Tiermedizin. Die Zweitstudienquote ändert nämlich nichts daran, dass die Gesamtzahl der Plätze begrenzt bleibt.
Warum Leute sich für den Quereinstieg entscheiden
Die Gründe, die mir begegnen, sind erstaunlich vielfältig. Manche haben Biologie, Chemie oder ein anderes naturwissenschaftliches Fach studiert und gemerkt, dass sie eigentlich näher an der praktischen Arbeit mit Tieren sein wollen, als es ihr erster Abschluss hergibt. Andere kommen aus ganz anderen Bereichen. Über Umwege, ein Praktikum, ehrenamtliche Arbeit im Tierschutz, den eigenen Hof, haben sie gemerkt, dass Tiermedizin das ist, was sie eigentlich immer machen wollten. Wieder andere hatten beim ersten Anlauf keinen Studienplatz bekommen, ein anderes Fach begonnen und wollen jetzt, mit mehr Reife und oft auch besseren Voraussetzungen, den ursprünglichen Wunsch verwirklichen.
Was fast alle eint: Es ist eine bewusste Entscheidung, keine spontane Idee. Die meisten, die sich für ein Zweitstudium entscheiden, haben in der Regel schon einmal erlebt, wie anstrengend ein Studium sein kann, und entscheiden sich trotzdem noch einmal dafür.
Die Herausforderung: Noch einmal von vorne anfangen
So verständlich die Motivation oft ist, so real sind auch die Hürden. Du fängst noch einmal ganz von vorne an, mit Erstsemesterstoff, während Freunde und ehemalige Kommilitonen aus dem ersten Studium längst im Berufsleben stehen. Das kann sich mental herausfordernd anfühlen, gerade wenn du dich fragst, ob du „schon wieder“ Anatomie und Biochemie pauken willst. Aus meiner Erfahrung mit Kommilitonen, die diesen Weg gegangen sind, hilft es enorm, sich klarzumachen: Die im Erststudium erworbenen Kompetenzen, wissenschaftliches Arbeiten, Lernstrategien, Prüfungserfahrung, sind nicht verloren, auch wenn der Fachinhalt neu ist.
Ein zweiter, oft unterschätzter Punkt ist die Finanzierung. Bei einem Zweitstudium besteht in aller Regel kein Anspruch mehr auf BAföG-Förderung, weil diese grundsätzlich auf den ersten berufsqualifizierenden Abschluss ausgerichtet ist. Wer sich für den Quereinstieg entscheidet, muss sich deshalb frühzeitig Gedanken machen, wie sich Lebensunterhalt und Studium ohne diese Förderung stemmen lassen, etwa über Ersparnisse, Nebenjobs, Stipendien oder Bildungskredite. Einen Überblick über die verschiedenen Finanzierungswege findest du im Artikel zur Studienfinanzierung im Tiermedizinstudium.
Die Chance: Vorwissen, das wirklich zählt
Auf der anderen Seite bringt ein naturwissenschaftliches Erststudium oft einen echten inhaltlichen Vorteil mit. Kommst du zum Beispiel aus Biologie, Biochemie oder einem verwandten Fach, kennst du viele Grundlagen aus dem Vorphysikum bereits in Teilen. Das komplette Studium ersetzt das zwar nicht, kann dir aber in den ersten Semestern spürbar Luft verschaffen. Auch die reine Studienerfahrung zahlt sich aus: Du weißt bereits, wie du dir Stoff selbstständig erarbeitest, wie Klausurphasen ablaufen und wie du mit Prüfungsdruck umgehst. Das ist ein Vorteil, den frische Abiturientinnen und Abiturienten in dieser Form noch nicht haben.
Fazit
Tiermedizin als Zweitstudium ist ein anspruchsvoller, aber machbarer Weg über eine eigene Zweitstudienquote im NC-Verfahren, kombiniert mit einer ehrlichen Portion Durchhaltevermögen. Bringst du die Bereitschaft mit, noch einmal von vorne zu lernen und dich um die Finanzierung ohne BAföG-Anspruch selbst zu kümmern, kommt dir gleichzeitig oft wertvolles Vorwissen und echte Studienerfahrung zugute. Stimmt die Motivation, ist der Quereinstieg für viele am Ende die richtige Entscheidung.
Konstantin Berger
Tiermedizinstudent (JLU Gießen)
Konstantin studiert Tiermedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und steckt mitten im klinischen Abschnitt. Auf tiermedizinstudium.eu schreibt er über alles, was er sich vor dem Studium selbst gewünscht hätte: den Weg zum Studienplatz – in Deutschland und Europa – und das, was einen im Studium wirklich erwartet.
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