Das Wichtigste in Kürze
- Tierophthalmologinnen und Tierophthalmologen behandeln Augenerkrankungen bei Klein- und Großtieren, von der Katarakt bis zur Verletzung der Hornhaut.
- In Deutschland ist das meist die Zusatzbezeichnung „Augenheilkunde beim Kleintier“ oder „beim Pferd“ – international gibt es zusätzlich den Diplomate-Weg über ein europäisches College.
- Der Arbeitsort ist eine spezialisierte Überweisungspraxis mit entsprechender Untersuchungstechnik.
- Zum Verdienst gibt der Ratgeber zum Fachtierarzt-Gehalt eine Einordnung.
Wer hier arbeitet
Ein Pferd, das auf einem Auge plötzlich schlecht sieht, oder ein älterer Hund mit trüber Linse: Solche Fälle landen irgendwann bei einer Tierophthalmologin oder einem Tierophthalmologen. Bei uns in der Region kenne ich vor allem den Pferdebereich, wo Augenverletzungen etwa durch Insektenstiche oder Fremdkörper im Stall keine Seltenheit sind. Solche Verletzungen wirken auf den ersten Blick manchmal harmlos, können bei einem so empfindlichen Organ aber schnell ernst werden. Genaues Hinsehen und schnelles Handeln gehören in diesem Fachgebiet deshalb eng zusammen.
Aufgaben im Überblick
Das Fachgebiet ist stark auf ein Sinnesorgan konzentriert, aber medizinisch vielschichtig:
- Kataraktoperationen: die operative Entfernung getrübter Augenlinsen
- Hornhauterkrankungen: Verletzungen, Entzündungen und Geschwüre der Hornhaut
- Glaukom: die Behandlung von erhöhtem Augeninnendruck, der unbehandelt zur Erblindung führen kann
- Verletzungen: akute Notfälle, etwa nach Fremdkörpern oder Traumata im Stall
- Vorsorgeuntersuchungen: insbesondere bei Zuchttieren, um erblich bedingte Augenerkrankungen frühzeitig zu erkennen
Die Untersuchung selbst läuft in mehreren Schritten ab. Zunächst wird das Auge mit speziellem Licht und Vergrößerung von außen beurteilt, danach folgen je nach Verdacht Messungen des Augeninnendrucks oder eine genauere Betrachtung des Augenhintergrunds. Diese Untersuchungstechnik unterscheidet sich deutlich von der schnellen Sichtkontrolle in der allgemeinen Praxis und braucht entsprechend spezialisierte Ausrüstung.
Arbeitsorte: spezialisierte Praxis mit besonderer Technik
Für die Augenuntersuchung braucht es spezielle Geräte, die eine normale Praxis meist nicht vorhält. Entsprechend konzentriert sich diese Fachrichtung auf wenige, gut ausgestattete Überweisungspraxen und Kliniken. Chirurgische Eingriffe finden häufig in enger Abstimmung mit Tierchirurgen statt.
Der Weg zum Tierophthalmologen
In Deutschland führt der Weg meist über die Zusatzbezeichnung „Augenheilkunde beim Kleintier“ oder „Augenheilkunde beim Pferd“, geregelt durch die Landestierärztekammern. International gibt es zusätzlich den Weg über eine Residency mit Abschluss als Diplomate eines europäischen Colleges. Mehr dazu steht im Ratgeber Residency & Diplomate: das europäische College-System. Zum allgemeinen Einstieg in eine Weiterbildung informiert Fachtierarzt werden.
Was den Beruf besonders macht
Bei einem Fall auf einem Nachbarhof ist mir aufgefallen: Bei Augenverletzungen zählt oft jede Stunde. Wird eine Hornhautverletzung nicht rechtzeitig behandelt, kann das Auge dauerhaft geschädigt werden. Das bringt eine gewisse Dringlichkeit in den Beruf, die sich mit der feinen, präzisen Arbeit am kleinsten Sinnesorgan des Tieres verbindet.
Beeindruckend finde ich außerdem, dass die Operationen an einem winzigen, hochempfindlichen Organ stattfinden, bei dem schon kleinste Bewegungen des Tieres während der Behandlung zum Problem werden können. Eingriffe wie eine Kataraktoperation laufen deshalb fast immer unter Vollnarkose ab, in enger Abstimmung mit einem Tieranästhesisten, und verlangen ruhige Hände sowie eine spezialisierte Operationsmikroskop-Ausstattung.
Auch die Vorsorge spielt eine wachsende Rolle. Bei bestimmten Rassen mit erblicher Veranlagung zu Augenerkrankungen gehören regelmäßige Voruntersuchungen inzwischen fast selbstverständlich zur Zuchtplanung dazu, um Erkrankungen gar nicht erst in die nächste Generation weiterzugeben. So unauffällig diese Kontrollen wirken, so viel können sie auf lange Sicht für die Zucht und für das einzelne Tier bewirken.
Insgesamt verbindet die Arbeit als Tierophthalmologin oder Tierophthalmologe feinmotorisches Können mit medizinischer Präzision an einem hochsensiblen Organ. Das Fachgebiet ist eng abgegrenzt und technisch anspruchsvoll, eine gefragte, aber seltene Nische. Wer gerne mit feinem Instrumentarium arbeitet und ruhige Hände mitbringt, sollte sich diese Fachrichtung genauer ansehen, gerade weil es bundesweit nur wenige spezialisierte Praxen gibt.
Marco Lindner
Landwirt
Marco führt einen Milchviehbetrieb und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Tierärzten zusammen – vom Bestandsbetreuer bis zum Amtsveterinär. Für tiermedizinstudium.eu porträtiert er den Berufsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten aus der Perspektive dessen, der sie täglich im Einsatz erlebt.
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